Wieso werden wir krank?

Dieses Thema im Forum 'Bulimie Erfahrungen & Diskussionen' wurde von Michi gestartet, 6 August 2011.

  1. HannyBee

    HannyBee War schon öfters hier

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    Liebe Lilly bzw. Madeleine (schöner Name :)),

    so langsam legt sich meine Gänsehaut wieder, die ich beim Lesen deines Textes gekriegt hab. Dein Text könnte ganz genauso meiner sein. Ich kann all die Gefühle, die in dir toben, gut verstehen, ich hatte sie auch so.
    Mein erster Einfall beim Lesen deines Textes war: Klar hasst sie SICH. Das ist ja auch einfach. Sie kann sich jederzeit für alles selbst verantwortlich machen. Nur SIE müsste sich ändern, dann wäre alles in Ordnung. Statt die Leute zu hassen, die idiotische Dinge zu dir gesagt haben, solidarisierst du dich geradezu mit deinen Feinden. Du übernimmst ihre Worte. (Kein Vorwurf, hab ich auch alles durch.) Das, was in dir brennt, müsste sich gegen andere richten.
    Deine Passivität ist dein eigener Schutzmechanismus, damit du nicht deine Mutter erwürgst, deinem Vater eine runterhaust oder einfach mal 24 Stunden am Stück schreist und weinst über das, was dir passiert ist, über das, was du verloren hast. Klar, zum Teil kommt es auch aus der Mangelernährung. Aber ohne diese Passivität, die dich schwächt und deine ganze Kraft bindet, wärst du eine starke Frau. Diese starke Frau versteckt sich ein bisschen hinter der Passivität, denn sie hat Angst, dass ihre Wut alles in ihrem Leben zerstören würde.
    Du sprichst von einer dunklen Seite. Das ist es nicht. Es ist ein Geheimnis, dein Geheimnis, aber sehr, sehr viele Menschen teilen dieses Geheimnis. Viele liebenswürdige und herzensgute, verzweifelte, einsame und traurige Menschen teilen das. Ich würde es daher nicht als "dunkel" im Sinne von "schlecht" sehen.
    Wenn auch noch das schlecht ist, was du als Ventil, als Krücke gebraucht hast - wie willst du aus diesem Teufelskreis jemals wieder herauskommen? So hast du immer mindestens einen Grund, dich zu hassen.

    Ich finde, du klingst sehr nett :)

    Jetzt muss ich leider los, aber ich schau nachher noch mal nach dir.
    Ich drück dich mal unbekannterweise,
    HannyBee
  2. Lilly87

    Lilly87 Neu im Forum

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    Guten Morgen,
    ich bin gerade ziemlich überwältigt von deinen netten Worten. Um genau zu sein, sind mir dabei sogar die Tränen gekullert. Es tut soo unheimlich gut, deine Worte zu lesen. Und du hast recht, ich muss endlich lernen, diese Passivität von mir abzuschütteln.
    Die Sache mit meinen Eltern hab ich eigentlich geklärt. Glaub ich. Wohne ja schon lange nicht mehr daheim. Und meiner Mutter tat es auch unendlich leid. Hat sie mir oft gesagt . Meinen Vater auch irgendwo. Aber ich denke, dass wir alle Narben tragen, die wohl nie ganz verschwinden werden.
    Was mich mal interessieren würde ist, ob ihr mit anderen drüber redet? Also über die Krankheit?
    Ich krieg das irgendwie nicht hin. Außer meiner damaligen Therapeutin und mit meiner Mutter, konnte ich mit neiemanden drüber reden. Meine Mutter ahnt zwar gerade, dass was bei mir nicht stimmt und hat mich auch explizit gefragt, ob ich wieder Probleme mit dem Essen habe, aber ich wollte es einfach nicht zugeben.
    Wie geht ihr damit um? Redet ihr offen drüber? Oder behaltet ihr es bei euch?
    Meine größte Sorge ist auch mit meine Gesundheit. Ich habe Angst um meine Zähne, um meine Speiseröhre und meinen Magen. Ich will ja leben und gesund sein.
    Irgendwo hab ich von jemanden gelsen, der immer dicker wurde um keine Erwartungen erfüllen zu müssen.
    So fühle ich auch oft. Als ob alles ein einziger Kampf ist. Ich war nie sonderlich ehrgeizig (außer wenn es ums essen ging).
    Und ich finde es anstrengend manchmal. Auf der Arbeit gut sein, die News immer verfolgen, damit man weiß, was los ist, auch die Sache mit dem Daten ist für mich oft ein einziger Machtkampf.
    Vielleicht dinf wir Essgestörten wirklich zu dünnhäutig für die Welt? Kinder im Erwachsenenkörper, die nur geliebt werden wollen und sonst nichts? Die keine Lust auf böshafte Machtspielchen haben?
    Vielleicht.

    Zumindest haben deine Worte mir etwas Kraft und Hoffung gegeben. Du hast recht, ich sollte mich nicht hinter meiner Passivität verstecken. Deswegen beweg ich mich jetzt aus dem Bett und ab nach draussen.
    Danke dir.
  3. HannyBee

    HannyBee War schon öfters hier

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    Hm. Sagen wir mal so: Eine offene Fleischwunde auf deinem Rücken siehst du auch nicht jeden Tag - sie ist aber trotzdem noch da, solange du sie nicht behandelst. Nur, weil du von deinen Eltern weg bist, bedeutet das nicht automatisch, dass dadurch alles in dieser Beziehung in Ordnung ist, dass es wirklich geklärt ist. Überleg vielleicht mal für dich, wie du die Beziehung zu deinen Eltern beschreiben würdest. Hast du "verziehen"? (Was für ein blödes Wort :D) Falsch verstandenes Verzeihen bedeutet, dass du wieder die große und erwachsene Tochter bist, die freimütig über die Verletzungen hinwegsieht. Man darf auch weiter wütend sein, wenn andere um "Verzeihung" gebeten haben. Man kann auch zehn, zwanzig Jahre wütend sein und die Person, auf die man wütend ist, trotzdem mögen.
    Das schreibe ich deshalb, weil ich das anfangs nicht auseinander halten konnte und mich selbst damit überfordert habe. Ich habe wieder zurückgesteckt und die Wut mit Vernunft und Logik kleingeredet. Ich war aber immer noch wütend. Also musste der Fehler wieder bei mir liegen... und ich war wieder drin im Teufelskreis.

    Es ist aber auf jeden Fall der richtige Weg, aus dem System, in dem sich diese Krankheit entwickelt hat, herauszugehen und zB. (vorerst) wegzuziehen.

    Du schreibst, es ist anstrengend, was du tust - auf der Arbeit usw. Ja, das ist es mit Sicherheit, denn du hältst eine Fassade aufrecht. So, wie ich dich einschätzen würde, bist du nach außen hin sehr beherrscht. Nach innen fühlst du dich offenbar schlecht (-> dunkles Geheimnis). Ich tippe mal: Du denkst, wenn jemand das wüsste, würde er dich für nicht liebenswert/ schwach/ ... halten.

    Aus dieser Position heraus ist es schwierig, die Augen nach Freunden offenzuhalten. Du musst damit rechnen, dass sie dich, wenn sie das Geheimnis mal herauskriegen, verlassen. Vielleicht gehst du aus diesem Hintergedanken heraus auch keine Freundschaften ein - wenn sie eh gehen, warum sich dann die (weitere) Anstrengung zumuten, fröhlich zu tun, sich zu kümmern, wenn man eigentlich nichts mehr möchte außer Ruhe?
    Warum interessant tun, warum interessiert tun?
    Ich habe bislang die Erfahrung gemacht, dass NIEMAND in meinem Umfeld, der über Essstörungen sprach, sagte, dass diese Menschen schwach sind. Es waren eher Reaktionen wie: Wie, neben diesen Leistungen hat der Betroffene auch noch das zu schaffen gehabt?
    Vielleicht habe ich Glück gehabt mit diesen Gesprächen.

    Es klingt für mich so raus, dass du dich so, wie du bist, nicht in Ordnung findest. Du siehst dieses Spinnennetz aus Erwartungen - wessen Erwartungen sind denn das? Wessen Stimme ist das in dir?

    Du hast dein Studium offenbar erfolgreich abgeschlossen (Gratulation, übrigens! Nicht alle schaffen das!) und nun führst du ein "erwachsenes" Leben.
    Das darfst du ganz und gar so leben, wie du es willst. Wenn du jetzt ein bisschen deine Pubertät nachholen willst, tu es. Wenn du völlig chaotisch leben möchtest, tu es. Richte dich, deine Wohnung und dein Leben so ein, wie du es willst.
    Niemand kann dir noch irgend etwas vorschreiben.
  4. Maeddie

    Maeddie Neu im Forum

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    Hallo,
    ich habe einige Beiträge gelesen und festgestellt, dass ich mich in einigen wieder erkenne.

    Als mein Essstörung begann war ich ca. 13 Jahre alt. Ich habe aber auch schon zuvor öfters "Diäten" ausprobiert. Ich hungerte mich bis 39kg herunter. Mit ca. 17 Jahren, nachdem ich meinen Schulabschluss hatte, rebellierte mein Körper. Ich nahm zu. Ich aß genauso "viel" wie immer und trotzdem stieg mein Gewicht. Ich war frustriert und unglaublich wütend auf mich. Also begann ich das Wenige zu erbrechen. Ich hatte zuvor schon mal probiert, Erbrechen herbei zuführen, deshalb wusste ich, wie es ging. Da ich Schicht arbeite habe ich an Tagen, an denen ich Dienst hatte gefastet, d.h. ich aß manchmal 5 Tage am Stück nichts. Und das führte ich so fort bis zum 03.02.2012.

    Diesen Tag werde ich niemals in meinem Leben vergessen, denn an diesem Tag hatte ich meinen ersten Nervenzusammenbruch. Ich konnte mich nicht mehr beruhigen. Ich heulte. Das schlimme war, dass es an der Geburtstagsfeier meiner Freundin passierte. Mein Dad holte mich an jenem Abend ab und dachte zuerst, ich sei misshandelt worden. An diesem Tag kam mein dunkles Geheimnis an die Öffentlichkeit. Ich musste zum Hausarzt, welcher mich zu einer Psychiaterin überwies. Meine Psychiaterin verschrieb mir eine Verhaltenstherapie, zu der ich wöchentlich ging. Meine Depressionen wurden mit Antidepressiva gestillt. Nachdem sich lange Zeit keine Besserung einstellte, entschied sich meine Psychiaterin für eine stationäre Behandlung. Im Dezember 2012 wurde ich in die Klinik aufgenommen. Dort war ich symptomfrei und nahm auch zu. Nach 5 Wochen wurde ich entlassen - zugegeben, weil ich das so wollte. Danach ging es mir gut. Ich aß regelmäßig und übergab ich nicht. Es gab nur ein, zwei Rückfälle. Seit ca. 3 Monaten bin ich jedoch wieder voll dabei. Alte Verhaltensmuster treten wieder auf und ich habe das Gefühl, mir entgleitet wieder mein Leben.

    So viel erstmal zu meinem Krankheitsverlauf. Ich habe alle meine Ärzte, Therapeuten, Freunde und Familie belogen und betrogen. Ich habe heimlich ein Lügengespinst aufgebaut, dass im Endeffekt meine Bulimie schützt - ohne dass ich es bemerkte. Ich habe jedem etwas vorgemacht, dass ich "geheilt" sei, damit ich wieder meine Ruhe habe. Die Ruhe für die Bulimie. Ich habe perfekt geschauspielert, um die anderen zufrieden zu stellen. Ich wollte niemanden die Schuld für meine Krankheit geben, habe deshalb immer behauptet, dass ich eben zu stark von den Medien beeinflusst wurde. Ich konnte mir niemals vorstellen, dass meine Familie einen Nährboden für meine Essstörung schufen.

    Ich hatte im Großen und Ganzen eine schöne Kindheit. Ich bekam alles und hatte meine Freiheiten. Ich wurde von meinen Freunden bewundert, weil ich eine so lange Leine hatte. Ich durfte so lange draußen bleiben, wie ich wollte. Ich bekam kein Ärger, wenn ich betrunken heimkam usw. Der Fehler liegt im Detail. Mein Dad ist selbstständig und leidet eine Firma, somit arbeitete er von morgens bis abends. Meine Mutter unterstützte ihn und ging schnell wieder arbeiten, nachdem mein Bruder und ich alt genug waren. Ich stand morgens alleine auf, frühstückte nicht und nahm auch nie was zu Essen in die Schule. Genauso musste ich meine Hausaufgaben alleine erledigen, auf eine Arbeit lernen und meine Eltern vertrauten mir in Sachen Schule. Ich war ein "Schlüsselkind". Das war auch weiter nicht allzu schlimm. Immerhin lernte ich so Selbstständigkeit. Irgendwann lief es ziemlich schlecht für die Firma meines Vaters, deshalb stritten sich meine Eltern immer häufiger. Sie sprachen nicht mehr miteinander. Und ich saß zwischendrin, wusste nicht, was los ist. Ich hatte Angst, dass ich der Grund dafür sei. Dass ich zu verschwenderisch wäre. Dass ich meine Eltern zu wenig unterstützte. Also begann ich immer mehr Dinge im Haushalt zu übernehmen. Ich wollte auf keinen Fall zur Last fallen, verzog mich in meine eigene Welt. Probleme und Gefühle, die ich hatte, unterdrückte ich. Ich konnte sie auch nicht zuordnen. Ich war wütend. Ich hatte Angst. Ich fühlte mich nicht ernst genommen. Manchmal kam diese Wut hoch, vor allem wenn ich getrunken hatte. Diese Wut ging vor allem gegen meine Mutter. Irgendwie gab ich ihr die Schuld für alles. Dass es finanziell nicht gut lief, dass meine Eltern nicht miteinander sprachen, dass ich irgendwie auf mich selbst gestellt war. Ich rastete regelrecht aus. Danach schämte ich mich unheimlich. Immerhin liebe ich meine Mutter. Ich liebe meine Eltern. Sie haben Fehler gemacht, die letztendlich mehr Spuren in mir hinterließen, als sie je dachten. Ich weiß, dass irgendwo zwischen all diesen neuen Erkenntnisse der Ursprung für meine Essstörung liegt. Nur muss ich endlich aufhören, meine Eltern zu schützen. Aber ich bin noch nicht soweit mit ihnen darüber zu sprechen oder sie damit zu konfrontieren. Denn ich weiß, dass ich ihnen damit das Herz brechen würde. Andererseits möchte ich nach 10 Jahren Gefangenschaft meiner eigenen Gefühle endlich leben.
  5. HannyBee

    HannyBee War schon öfters hier

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    Liebe Maeddie!

    Entschuldige bitte, dass es gefühlte drei Millionen Jahre gedauert hat, bis irgendjemand auf dein sehr berührendes Posting antwortet. Aber jetzt bin ich da und bezieh mal Stellung.

    Ich habe gerade mein Emailfach meiner kaum noch genutzten Emailadresse ausgeleert und da fiel mir diese Benachrichtigung ins Auge. Eigentlich wollte ich gerade einkaufen gehen :D aber die Zeit nehme ich mir jetzt mal für dich.

    In deiner Schilderung sind mir folgende Worte besonders aufgefallen: „Nachdem sich lange Zeit keine Besserung einstellte, entschied sich meine Psychiaterin für eine stationäre Behandlung.“

    SIE hat SICH entschieden. Nicht du. Du hast niemanden betrogen, du warst das brave Kind, was den Tanz mitgemacht hat. Vielleicht warst du noch nicht bereit. Vielleicht hast du dich selbst überfordert. Vielleicht hast einmal mehr diese lächelnde Puppenmaske aufgesetzt, die wir alle kennen, die Maske die zeigt: Ach, hey, eigentlich geht’s mir gar nicht schlecht. Das wird schon wieder, ich krieg das wieder hin, wie immer könnt ihr euch auf mich verlassen, denn ich bin ja stark, ich bin vernünftig und erwachsen… BLABLA! :D Das sagt der Puppenmund ja immer. Das, was die Leute hören wollen, damit sie sich beruhigt abwenden.

    Du hast dich selbst überfordert – aber das ist nichts, dessen du dich schämen musst. Du darfst dir die Zeit nehmen, die du brauchst.

    Schöne Kindheit? Du hattest eine – entschuldige, wenn das hart klingt – schöne frühe Erwachsenheit, keine Kindheit. Vielleicht kommst du irgendwann zu dem Punkt, dass du sagen kannst: Meine Kindheit hatte schöne und hässliche Seiten. Ich war einsam, aber ich war auch frei. Ich hätte mir anderes gewünscht, aber es gab auch Gutes.

    Ich behaupte jetzt mal, dass wir, die wir so eine Krankheit haben (bzw. hatten = ich), nicht gut differenzieren können. Wir sind mit unseren Gefühlen nicht im Reinen. Wir fühlen zu sehr für andere mit (du würdest deinen Eltern das Herz brechen), wir nehmen zu viel auf uns, um andere zu schützen. Und tief innen haben wir manchmal das Gefühl, dass unsere lang unterdrückten Gefühle zu uferlosen, schäumenden Flüssen geworden sind. Die Wut, die jahrelang in uns geflossen ist. Was würde passieren, wenn du deinen Eltern etwas sagen würdest? Wir haben Angst vor diesen Gefühlen, die uns übermächtig und riesig erscheinen, die unseren Verstand hinwegzuspülen drohen, so mächtig sind sie. Glauben wir.

    Was für eine entsetzliche Situation, dass deine Eltern nicht miteinander redeten! Ich kenne das nur zu gut, bei mir wars auch so. Diese Spannung, dieser innerliche Drang, es irgendwie einrichten zu müssen, dass alles wieder gut ist. Selbst bloß unauffällig sein, nicht noch mehr Probleme machen, sonst bricht die Familie auseinander. Taub sein, blind sein, stumm sein. Sein zu müssen.

    Du sagst, du möchtest nach dieser langen Gefangenschaft endlich leben.

    Nur wie willst du dieses Ziel erreichen?

    Ich sage dir jetzt mal etwas Provokatives, denn ich habe den Eindruck, du bist sehr selbstreflektiert und hast Abstand zu dir und dem, was mit dir passiert: Indem du deinen Eltern nichts sagst, nimmst du ihnen die Chance, an deinem Leben teilzuhaben. Du nimmst ihnen die Chance, sich zu entschuldigen. Du bist wütend über das, was passiert ist. Zu Recht. Völlig zu Recht!

    Aber so bleibt diese Wut in dir.

    Warum ich dir das sage? Weil ich dir zutraue, dass du damit gut umgehen kannst.
    Ebenso solltest du deinen Eltern etwas zutrauen, vielleicht sogar etwas zumuten. Und Vertrauen haben, dass sie als erwachsene Menschen auch etwas er-tragen können. Etwas Mit-tragen. Sie haben etwas verursacht bei dir, auch wenn sie es vielleicht nicht wollten. Dann dürfen sie auch mittragen an dem, was du bislang für sie getragen hast, findest du nicht?

    Du musst nicht hingehen und sagen, dass alles scheiße war. Du musst nicht die Axt im Walde sein und alles wegholzen. Aber du kannst bestimmte Sachen ansprechen, vielleicht Einzelheiten. Dinge, die dich verletzt haben, die dir wichtig sind. Indem du ganz ruhig und bestimmt sagst: Du Mama, damals, als du… das hat mir nicht gut getan.

    Dann hat sie die Chance, darauf zu reagieren. Du bleibst bei dir und deinen Gefühlen und greifst sie nicht an und ganz, ganz vielleicht überrascht sie dich. Ganz, ganz vielleicht sagt sie: Ach wirklich? Oh, das habe ich gar nicht gemerkt. Das tut mir leid.

    Ich kenne deine Eltern nicht. Ob du das riskieren möchtest oder ob du Angst hast, dass du noch mehr verletzt wirst und das derzeit nicht ertragen kannst – das ist deine Entscheidung.

    Frag deine Eltern doch einmal, ob du mit ihnen über bestimmte Dinge, die dich bedrücken, reden darfst.

    Ich nehme dich unbekannterweise aus der Ferne mal lieb in den Arm und lasse dich eine Weile darin ausruhen :)

    Und jetzt geh ich einkaufen :D
  6. Maeddie

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    Hallo HanneyBee,
    danke für deine Antwort. Es hat mich unheimlich berührt. Es ist Wahnsinn, wie du genau die richtigen Worte für das fandest, was ich fühle. Ich hatte wirklich Tränen in den Augen.
    Ich hoffe, es macht dir nichts aus, wenn ich deinen Beitrag meinen Therapeuten vorlese. Ich könnte es einfach nicht besser beschreiben.
    Nochmals vielen Dank.
    Liebe Grüße,
    Maeddie
  7. HannyBee

    HannyBee War schon öfters hier

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    Hallöchen :)
    Nein, es macht mir nichts aus, ganz im Gegenteil. Ich finde es schön. Wenn ich hier etwas schreibe, denke ich an euch und habe immer die Hoffnung, dass diese Worte euch ein bisschen helfen. Und wenn sie nur dabei helfen, den Augenblick zu ertragen und nicht zu verzweifeln.
    white gefällt dies.
  8. LuckySmile751

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    Also ich denke die Ursachen für die ES sind bei jedem verschieden und man kann da keine allgemeinen Gründe festlegen. Aber es gibt natürlich Sachen, die bei den meisten eine Essstörung auslösen hier wurden ja schon viele aufgezählt.
    Bei mir war es wahrscheinlich die Kombination aus: Ich esse gerne, Essen macht mich glücklich, zufrieden, beruhigt gegen Stress, ist lecker und andererseits: Ich will mein Idealgewicht, das schaffe ich auch, ich will die Traumfigur und kann sie auch bekommen. Seitdem schwanke ich zwischen den FAs (extreme Gewichtszunahme) und am Rand vom Untergewicht hin und her wie ein unendliches Pendel.