Wieso werden wir krank?

Dieses Thema im Forum 'Bulimie Erfahrungen & Diskussionen' wurde von Michi gestartet, 6 August 2011.

  1. Reese

    Reese War schon öfters hier

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    Hallo hannybee,

    Also ich hab 2 Freunde die hart gekämpft haben, damit ich wenigstens per Notüberweisung in das städtische Krankenhaus komm!
    Sie haben auf mich eingeredet und mich halt mehr oder weniger überredet!
    Ich weiß, dass das kein dauerzustand sein darf und ich möchte auch dass es besser wird.
    Aber nach 4 Tagen konnte ich das Krankenhaus nicht mehr ertragen, weil die mir nicht helfen konnten.
    Ich hab danach eine Woche bei meinen Eltern verbracht, hab zugenommen und weniger herausgebracht!
    Doch auch da musst ich raus, weil mich diese Kontrolle und die ständige fragerei nur fertig gemacht hat!
    Nach dem ich 3 Tage zu Hause, in meiner Wohnung, war, hatte ich wieder abgenommen!
    Ich hatte einen nervenzusammenbruch...von den 2 Freunden aus hätte ich sofort wieder ins kh gehen sollen, aber ich konnte und wollte das nicht...ich wollte wenn dann eine richtige Behandlung und nicht nur faul rumliegen und mich von Mahlzeit zu Mahlzeit schleppen! Ich habe ihnen erklärt, dass ich für dieses "sinnlos- Aufenthalt" keinen nerv hab! Ich wollte und will erstmal bis weihnachten wieder in die BerufsSchule und den Termin zum vorgespräch der letztendlichen Behandlung abwarten! Nja und ich weiß dass sie diese Entscheidung beschissen finden, aber es fiel mir auch sehr schwer mal nicht das zu machen, was man von mir verlangten!

    Ja ich kämpfe gegen die Krankheit, jedenfalls versuche ich es jeden Tag aufs neue!
    Und ich freu mich über jeden Tag ohne FA und herausbringen, auch wenn sie selten sind!

    Was meinst du mit "mit ihr reden"?

    Lg
  2. HannyBee

    HannyBee War schon öfters hier

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    Ich meine mit der Krankheit zu reden :) Klingt freaky, ich weiß :)
    Wie alt ist sie? Wie sieht sie aus? Was hat sie zu erzählen? Warum ist sie da? Seit wann ist sie da? Sieht sie sich als deinen Feind oder deinen Freund? Ist sie dein outgesourctes schlechtes Gewissen?
    Worum geht es bei dir eigentlich, unter der Krankheit? Du scheinst allergisch zu sein auf Kontrolle - hängt das damit zusammen?

    Ich kann mich nur wiederholen: Ich finds super, dass du sinnloses und sinnvolles für dich unterscheidest. Und wenn du nicht lebensbedrohlich unterernährt bist, ist rumliegen und wie ne Stopfgans auf den nächsten Gang warten echt nicht das Richtige.

    Malst du? (So richtig mit Leinwand und Farben und Fingern usw?) Es gibt Dinge, die kann man (erst mal, vielleicht auch nie) in Worte fassen, aber man kann sie verbildlichen und damit "rausbringen". Wär das was für dich?

    Einen lieben Gruß,
    HannyBee
  3. Reese

    Reese War schon öfters hier

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    Hallo hannybee,

    Also ja sie redet ziemlich intensiv mit mir.
    Angefangen hat es mit 14/15, kurz nach der 1.Vergewaltigung. Damals wollte ich auf der einen Seite
    verschwinden und auf der anderen Seite die Aufmerksamkeit meiner Eltern!
    In den letzten Jahren hat sich das geändert! Mittlerweile war es nur noch "du bist zu dick! Du darfst dir nichts gönnen!"
    Ich sehe die Krankheit als Autoritätsperson, als Erziehungsberechtigte. Meine Eltern haben mich lapidar bis kaum erzogen ab einem bestimmten Alter. Ich hab mit 7 Jahren meine Selbstständigkeit gelernt, ich musste! Seither haben meine Eltern an Erziehungsarbeit nix weiter gemacht! Ich glaub sie versucht mich zu erziehen. Sie beschimpft mich und das sehr krass! Weiterhin muss ich perfekt sein, dünn sein. Meine Mutter hat mich für meinen Ehrgeiz (der durch ihren Druck entstanden ist) gelobt und sie hat mir das Gefühl gegeben, dass ich perfekt sein muss. Auch als Kind hab ich immer von ihr gehört"wenn ich fett bin, lass mich durch den Jäger erschießen!" - wenn man das schon als Kind hört, ist das heftig, das hieß für mich ich muss dünn sein!

    Ich hab alles schon durch...Magersucht, nur fressen und seit diesem Jahr mit kotzen!
    Alles immer nur phasenweise...aber dieses Jahr nun schon länger!
    Untergewichtig bin ich schon, aber nicht so derb, aber viele sprechen mich drauf an!

    Nein ich male nicht, kann ich auch nicht! .... ;)

    Lg reese
  4. Freiheitsliebend

    Freiheitsliebend Neu im Forum

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    Bei mir ist es sehr ähnlich.. Ich war immer etwas "stabiler" gebaut als andere Mädchen und ich war auch immer weiter entwickelt... Vom Kopf und auch vom Körper her.. Mein ganzer Freundeskreis war immer älter als ich, mittlerweile habe ich fast nur noch mit Leuten zu tun die zwischen 5- 15 Jahre älter sind als ich... Mit gleichaltrigen konnte ich meist nicht so viel anfangen. In der Grundschule war ich die Traumschülerin, ich hatte nur 1 auf dem Zeugnis. Nachdem meine Eltern mich zu nem IQ Test geschleppt hatten, stellte sich heraus, dass ich überdurchschnittlich intelligent bin. Damit fing der Horror an, denn meine Eltern freuten sich nicht mehr über gute Noten, nein sie erwarteten sie einfach von mir.. "Du bist doch so ein schlaues Mädchen, du kannst alles schaffen!" Wie soll man sich noch übertreffen, wenn man eigentlich schon das Maximum an Leistung erreicht hat? Nein, es war nie genug.
    Meine Mutter hatte immer psychische Probleme- Depressionen und Alkoholismus bestimmten ihr Leben. Mir fehlte völlig die weibliche Bezugsperson, ich hatte niemanden als ich meine erste Regel bekam und das erste Mal richtig verliebt war. Mit wem sollte ich reden? Meine Klassenkameradinen waren ja noch nicht so weit und durch das viele lernen und das kleine Kaff auf dem wir lebten, war es schwer mit anderen in Kontakt zu kommen. In der Orientierungsphase fing ich an zu rebellieren (für meine Verhältnisse), aus dem 1,.. Schnitt wurde ein 2,.. Schnitt und ich begann mir die nötige Aufmerksamkeit bei anderen zu suchen. Ich geriet in eine Mädelsgruppe, die zu den coolen gehörten. Sie schminkten sich, hatten was mit Jungs und ihnen war Schule egal- ich wollte einfach dazu gehören. Also wurde aus der braven Schülerin ein kleiner Vamp mit bauchfreien Top und hochgepushten Brüsten. Da war ich 13 Jahre alt und dachte, je schöner ich bin desto schneller finde ich einen Freund- DER MICH LIEBT!!!!!! Ich wollte nicht einfach nur Aufmerksamkeit, sondern jemanden der mich in den Arm nimmt und mir sagt wie toll ich bin und es ernst meint.
    Die Pubertät setzte ein und als der schlanken 14- Jährigen wurde eine moppelige 14 jährige. Alle lästerten natürlich und meine Mutter verbot mir immer öfter den Nachtisch, damit ich nicht zunehme. Meine Schwester hänselte mich und zog mich mit meiner "weiblichen" Figur auf. Nie erklärte mir mal einer, dass das ganz normal ist.
    Ich litt unheimlich, überall sah ich die Hollywoodstars in den Filmen, die ihre große Liebe fanden. Was mir auffiel: Alle waren DÜNN und fanden LIEBE. Folgerung daraus: WER DÜNN IST WIRD GELIEBT!
    Ich fing das hungern an, nahm rapide ab und wurde bewundert für meine Disziplin-> nur mein Körper fing irgendwann an zu rebellieren und so kam der erste Essanfall. Erst fand ich das super, Schokolade futtern und sie danach wieder los werden. Am Anfang waren die Essanfälle auch nicht so groß- aber sie wurden größer und größer. Ich hätte die Notbremse ziehen können, wenn ich am Anfang reagiert hätte, aber der Wunsch nach LIEBE war noch viel größer und in meinem Kopf kreiste ja eine einfache Formel: WER DÜNN IST WIRD GELIEBT.
    Jetzt geht das ganze 4 Jahre so...

    Ich glaube wir werden krank, weil uns etwas bedeutendes im Leben fehlt. Aufmerksamkeit, das Gefühl umsorgt zu werden und uns selber wirklich zu lieben. Mein Körper war immer mein Feind, mittlerweile mag ich meinen Körper viel mehr als früher- vielleicht weil er meinem Ideal entspricht? Aber was passiert, wenn das mal nicht mehr der Fall ist? Ich habe schreckliche Angst davor, denn ich weiß wenn ich zunehmen würde oder ich mir nicht mehr gefallen würde, würde ich ihn sofort wieder bekämpfen.
    Die Mischung machte aus mir eine Bulimiekranke.. Bestimmt bin ich auch anfälliger für sowas als andere, aber ich glaube dass man auch irgendwo durch Familie, Umfeld, Problemen und Medienvorbilder in Richtung Bulimie geschupst wird. Ich war 3 Monate in Lateinamerika in einem sehr armen Teil und da kennen die Essstörungen nicht- die Leute dort haben andere Probleme und schätzen ihren Körper ganz anders als wir hier...
    Seriously.. gefällt dies.
  5. HannyBee

    HannyBee War schon öfters hier

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    Das ist echt krass, wie sehr sich das, was ihr beschreibt, mit dem überschneidet, wie es mir ging... ich war ab 9 auf mich allein gestellt, als mein Vater wegging (Nacht-und-Nebel-Aktion) und meine Mutter zusammenbrach. Von da an war ich Mutter für meine Geschwister, emotional Partner für meine Mutter usw. Eigentlich war es davor auch schon alles in Scherben, aber früher wollte ich das nicht wahrhaben: Ich wollte, dass dieses eine Erlebnis "schuld" daran ist, dass nun alles schlimm war. Anders wäre diese Zeit nicht zu überleben gewesen.
    Ich hatte bei mir denselben Eindruck wie du, Reese: Die Krankheit war mein Stützkorsett, die überhaupt meinen Kopf oben hielt, mich weiter voran zwang und die mich mit grausamer Hand unter Kontrolle hielt.
    Nach der Krankheit hielt dieses harte Selbst-Erziehen noch eine Weile an, bis mir die Erkenntnis kam, dass das folgendes bedeutet: Wenn ich mein Leben immer an meinem Puzzlebild aus allem, was ich mir wünsche, messe, ist es ewig defizitär - nichts ist jemals gut genug, wenn es nicht mit "dem Plan" übereinstimmt.
    Ab da habe ich bewusst drauf geachtet, den "Plan" zu enttarnen, wenn ich wieder anfing zu vergleichen: Der hat mit dem Alter schon... und ich... es ist sehr ungewohnt und in der ersten Zeit fast beängstigend, wenn man das anfängt.
    Ich fürchte, wenn Kinder zu laissez-faire erzogen werden, bildet sich in ihrem Kopf so eine Erzieher-Instanz aus, die sie sich erfinden müssen. Nach meiner Erfahrung ist es für Kinder besser, klare Grenzen zu haben und gegen diese verstoßen zu können, sich befreien zu können, als keine Grenzen zu haben und sich damit selbst selbst an die Kandarre nehmen zu müssen. Denn dann schaffen sie Geister in ihrem Kopf, die nur schwer zu bekämpfen sind, wenn man nicht weiß, wie.
    Im Endeffekt war die Krankheit für mich - paradoxerweise - für eine Zeit lang ein Lebensretter, eine Stütze und ein Helfer.
    All der Müll, all die ungelebten und unterdrückten Gefühle, die sich in euch aufgetürmt haben, verhindert letztlich, dass ihr eure wahre Stärke erkennt. Jemand, der wie ihr jahrelang so leben kann, der es schafft, seinen Körper so zu schwächen und trotzdem weiterkämpft und immer wieder auftsteht, der noch dazu "einfach" ein "normales" Leben durchzieht - der ist wahrhaft stark.
    Ihr braucht dieses Stützkorsett der Krankheit gar nicht, Mädels. Das Zerstörerische in euch kann etwas sehr Positives sein, wenn ihr es an den richtigen Stellen einsetzt. Oder, wie mein Bruder sagte: "Jeder Mensch braucht ein Arschloch", einen Verteidiger. Wenn ihr diese Wut und diese Kraft nicht mehr gegen euch einsetzt, sondern gegen das, was ungerecht ist, das, was euch zu Unrecht beengt, dann braucht ihr diese Krankheit nicht mehr. Dann könnt ihr ihr liebevoll Lebwohl sagen. Ja, liebevoll. Ich meine nicht diesen verklärenden Psychokack "pro xyz", den man aus dem Internet kennt. Ich bin heilfroh, dass ich das los bin!! Aber wenn ihr das annehmen könnt, dass es eine Krücke ist/ war, hört es auf, dass ihr euch weiter deswegen fertig macht, dass ihr so eine Krankheit habt/ hattet. Dann kann man kleinere Krücken finden. Und irgendwann stark genug sein, alleine zu laufen.
    Ich knuddel euch alle mal ganz lieb! :)
  6. Reese

    Reese War schon öfters hier

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    Hey,
    Ach ja die Stärke muss man erstmal erkennen und wiederfinden.
    Ich merke jeden Tag wie sehr das alles an meiner Substanz knabbert!
    Und auch die Stimme, die mich seit Jahren unter Druck setzt, macht mich völlig fertig! Das erste mal kam sie nach einer versuchten Vergewaltigung...hier beschimpfte sie mich das erste mal, sie hat mich dazu gebracht mich zu schneiden und später, das Essen als Feind zu sehen und mich als Mensch als Feind zu sehen!
    Ich bin gefallen und aufgestanden und wieder gefallen und wieder aufgestanden, aber dieses mal fehlt mir die Kraft wieder allein aufzustehen! Ich fühl mich anderen gegenüber sehr schlecht, dass das so ist, das ich nicht allein rauskomme!

    Ich war noch zu Beginn diesen Jahres fröhlich und immer gut drauf, je mehr ich in die Krankheit rein schlitterte und je mehr ich dann verstand, dass die neue ambulante therapeutin nicht verstand,dass ich die Kontrolle verliere (hab es so oft gesagt) und Handwerkszeug zum gegensteuern brauch und sie mich allein ließ, desto mehr hab ich das Gefühl bekommen, dass ich nicht krank bin und das alles nur noch normal bin! So wie es für mich normal ist/war, dass ich keine eigenen Entscheidungen treffen darf und mich jeder übergeht.....

    Schwierig alles, aber ich möchte nicht mehr die kleine 23-jährige sein, wo jeder denkt, die kann ich wie ne Puppe behandeln....ich möchte kein Spielball der Gesellschaft mehr sein, aber die Umsetzung ist schwierig!
  7. HannyBee

    HannyBee War schon öfters hier

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    Wenn du gefallen bist, bleib erstmal liegen und ruh dich aus. Sammel Kraft da unten, wo auch immer du da liegst :) Das mit dem Schneiden kenn ich auch :confused: Das hab ich glücklicherweise sehr schnell wieder sein lassen. Ich hab irgendwann "kontrollierte Kontrollverluste" mittels Alkohol herbeigeführt, um in den Momenten Gefühle herauslassen zu können und den Druck abzubauen. "Therapeutisches Trinken" quasi (nein, bin kein Alki^^), weil ich nicht wusste, wie ich sonst da rankommen sollte.
    Kontrolle ist bei vielen von uns das Stichwort. Wir suchen Vertrautheit und Nähe und trauen ihr eigentlich kein Stück über den Weg - ein bisschen wie ein Tier, das einmal misshandelt wurde. Wir schützen uns selbst durch diese Distanz.

    Gegen die Stimme kann man bewusst gegensteuern. Ich hab das gemacht, indem ich mich nach jedem Anfall vor den Spiegel gestellt habe und mir eingetrichtert habe, dass ich mehr will als ein Leben zwischen Küchenkübeln und Kloschüssel.
    (Habt ihr meinen Beitrag dazu schon gefunden? Der enthält (m)eine konkrete Handlungsanweisung, wie ich es da rausgeschafft hab: http://mybulimie.de/threads/nie-mehr-krank.82/#post-280 ) Lol, voll die Schleichwerbung :D aber ist ja kostenlos :D

    Ich glaube mit unerschütterlicher Gewissheit unbekannterweise daran, dass ihr das schafft. Ich sehe hier sehr starke Menschen, die vom Schicksal gebeutelt wurden, die es bis jetzt geschafft haben, zu überleben - die nur den letzten Dreh brauchen, um sich auf sich zu konzentrieren und keine faulen Kompromisse mehr einzugehen.

    Das Leben ist kurz und wir wissen nicht, ob wir nur dieses eine haben. Wir sollten es also nicht in Lebensumständen verschwenden, die uns zum Kotzen bringen und uns nicht erfüllen. Nichts auf der Welt ist es wert, dass ihr euch zerstört, Mädels. Nichts.
  8. HannyBee

    HannyBee War schon öfters hier

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    Nochmal drüber nachgedacht:
    Versteht mich nicht falsch: Ich sage nicht "Ihr müsst bloß stark sein!"

    Was euch passiert ist, lässt mir an der ein oder anderen Stelle geradezu den Atem stocken und macht mich ohnmächtig wütend.

    Ich meine, was ich hier schreibe, sehr ernst und nicht als bloße blöde Durchhalteparole :)

    Das nur als Erläuterung, denn ich wär so ziemlich der letzte Mensch auf Erden, der euch ein Recht auf Leid und auf Ausdruck des Leides abspricht.
    Ich seh nur sehr viel mehr in euch allen hier. Ich sehe wertvolle Menschen, die eine ganz neue und achtsame Gesellschaft mittragen könnten. :)
  9. Reese

    Reese War schon öfters hier

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    Danke HannyBee... :)
  10. Hexenfeuer

    Hexenfeuer Neu im Forum

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    Hallo ihr.

    Ich denke das Problem wahr ich selbst. Klar meine Familie sind alles Sportler aber keiner wirklich dünn auser meinem Bruder. Die meisten sogar übergewichtig und denoch gute Sportler. Ich wollte nichtmehr ich sein. Ich schlug meiner freundin eine Wette vor wer am meisten gewicht verlieren könne in einer woche. Was für sie kein problem wahr sie nahm ab wenn sie nur das Frühstück weglies(wir wahren 9 und 10) stellte sich bei als unmöglich heraus ich hungerte die ganze woche und nahm villeicht 500gramm ab. Ich wahr frustriert sie wollte dieses spiel nach eine weile nichtmehr spielen aber ich für mich konnte mich so wie ich wahr einfach nichtmehr akzeptieren.
    Ich wurde auch nie schwer untergewichtig das wenigste wahren 49kg bei 165 natürlich nicht dick aber auch nicht das was ich mir gewünscht hatte. später wurde mein standgewicht nach der lehrzeit zwischen 58 und 60kg damit konnte ich leben aber eben nur mit ständigen erbrechen sonst nahm ich sofort zu.
  11. Reese

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    Darf ich dich fragen, was du für ein Essverhalten hast, wenn du nicht erbrichst?
  12. Hexenfeuer

    Hexenfeuer Neu im Forum

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    Heute ist es wieder tägliches erbrechen wie vor der schwangerschaft.
  13. Reese

    Reese War schon öfters hier

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    Naja ich meine dein normales Essverhalten....also essen ohne erbrechen! Was isst du dann und wie viel?
  14. Seriously..

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    @ freiheitsliebend
    Diese einzige suche nach Liebe und einem Menschen der einen liebt versteh ich so gut, und du hast so recht das du sowas erst findest/ oder besser gesagt annehmen kannst wenn du dich selber liebst..und das tun wir ja anscheinend nciht weil wir unseren Körper zerstören ... Ich hatte Typen die mich geliebt und geschätzt haben, aber weil ich es nicht annehmen konnte bin ich immer in die arme von irgendeinem arroganten Arschloch gerannt..kennst du das? jetzt bist du wahrscheinlich untergewichtig wenn dein Körper deinem ideal entspricht oder?
  15. Hexenfeuer

    Hexenfeuer Neu im Forum

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    Hallo nach der schwangerschaft (in der ich zugegebenermasen gefressen habe die kilos habe ich mir selbst zuzuschreiebn) trank ich nur wasser mit geschmack volvic apfel z.b. dies haben nicht sonderlich viel kalorien.

    Früstück mach ich nicht hab ich auch nie.

    Zum mittag habe ich immer gekocht für meine Tochter und mich relativ ausgewogen 3 mal die woche fleisch 2 mal fisch und 2 mal vegetarisch (z.b spinat mit rührei) davon eine normale portion. Abends essen wir brot mit wurst oder käse auch lachs und frisch käse oder mal pfannkuchen.(süßes wie nutella oder marmelade gibts bei uns nicht wir beide mögen es nicht und unsere Tochter darf es gerne überall essen aber wir brauchen es zu hause nicht. Zwischendurch versuche ich schon immer nichts zu essen wegen mein gewichtsproblem. manchmal essen wir abends chips (aber wirklich nicht oft) ab und zu hat mein mann mal lust auf gummibären und bringt eine tüte mit da greif ich auch mal zu ich milchprodukte haben wir nicht so oft die fehlen bei uns beiden ein bisschen ich trinke villeicht einmal alle 2 wochen einen kakau oder esse joguhrt/pudding/quark. << so ist es die lezten 2 jahre gewesen und mein gewicht steigt und steigt daher habe ich seit 2 monaten wieder die absolut gleichen verhaltensmuster ich kann mich nichtmehr ertragen.
  16. HannyBee

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    Hallo Hexchen :)

    Die Erfahrung habe ich auch gemacht - der Körper passt sich an. Wenn du ihm ständig etwas zuführst und wieder weg nimmst, fährt er halt alles runter und nimmt dann von dem wenigen, was bleibt, zu. Ich hatte eine ganz schlimme Zeit, wo ich kaum was gegessen habe und trotzdem nicht abnahm.

    Wenn du aus diesem Stadium rauskommst, indem du wieder auf normales Essen umstellst, wirst du erstmal zunehmen. Bei mir stieg das Gewicht nach dem Aufhören in den ersten Wochen um vier Kilo. Dort blieb es dann erstmal, ich hatte Panik, aber aß "normal" (war Veggie) weiter. Hab gemäßigt Sport getrieben - im Fitnessstudio. Da hab ich mich angemeldet, weil ich dachte: Das Geld, was du normalerweise im Klo runterspülst, kannst du hier auch besser investieren.

    Irgendwann schnallt der Körper dann, dass er nicht mehr zu verhungern droht und verarbeitet auch wieder normal.

    Für mich wäre die Frage (ich habe noch nicht allzuviel von deinen persönlichen Umständen gelesen): Was in deinem Leben kotzt dich - im wahrsten Sinne des Wortes! - gerade dermaßen an?
    Wo kommt dieses Unglück von dir her? Was willst du eigentlich tun, was sagen, was traust du dich nicht?

    Wieso wolltest du nicht mehr du sein, was war dein Initialerlebnis, dass du so, wie du bist, nicht willkommen bist in der Welt?
    Du musst mir die Fragen nicht beantworten, ich stelle sie dir, damit du damit arbeiten kannst :)

    Ich zB hatte eine Phase, da wollte ich ein Junge sein, weil ich mich als Mädchen abgelehnt und bedroht fühlte. Zudem von meinem Vater als Mädchen nicht anerkannt, er konnte nur mit Jungs.

    Dieses Gefühl internalisierst du als Kind. Es wird zu etwas in dir, zu einer inneren Stimme, die die Ablehnung aus der Kindheit immer wieder wiederholt, wenn du das nicht knackst.
  17. Hexenfeuer

    Hexenfeuer Neu im Forum

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    Hey haanybee.

    Ich habe ein bisschen durch das forum gelesen du hast es geschafft ich kratuliere dir ganz herzlich;) Du warst stark genug nein zu sagen und offenbar kannst du ohne sie leben und denoch ein einiegrmasen normales gewicht haben. das beneide ich ein wenig :)

    Ich bin immer übergewichtig bei normalen essen. Es kozt mich übrigens an das ich einfach nich sonderlich hübsch bin. Nicht wenn ich dünn , normal oder dick bin. Ich hab versucht mich selbst zu ändern und wenn ich mir richtig viel mühe gebe sehe ich auch einigermasen ansehbar aus aber tatäglich sich stundenlang zurechtmachen dafür bin ich einfach nicht der typ.
    Mutter natur hat mich mit viel sportlichem talent gesegnet aber eben nicht mit guten aussehen und als ich ein kind wahr trämte ich immer davon als erwachsene hübsch zu sein mit langen glatten roten haaren (die farbe hat nicht viel gebracht und das glätten macht meine haare noch kaputter als sie eh schon sind) schlank aber nicht mager. nunja ich wurde älter natürlich wurde aus dem hässlichen entlein kein schwan.

    ich würde meine kindheit als glücklich bezeichen aber meine brüder haben beide ebenfalls starke sucht probleme (der eine alkohol der andere drogen) und ich weis nicht warum bei uns allen 3en das aufgetaucht ist. meine mutter wahr eine gute mutter machte mit uns sport schenkte uns aufmerksamkeit hat bis auf eine einzige ohrfeige uns nie geschlagen. mein papa ist auch immer liebevoll gewesen.
  18. HannyBee

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    Hm, genau genommen war ich stark genug "JA" zu sagen :D zu mir, zu dem, wie ich bin, zu meinen Gefühlen und all dem, was in mir war und ist. Zu meiner Kraft und meiner Wut. Das ist meine persönliche Definition von Selbstannahme.
    Aus diesem Ja entspringt dann ein Nein gegenüber Umständen die einen krank machen, die einen klein machen und runterziehen.

    Wer sagt, dass du nicht hübsch bist? Und in welchem Kulturkreis bist du nicht hübsch? ;)
    Bei mir ist Schönheit immer mit Charakter verknüpft. Das ist kein lahmer Kalenderspruch :D Ist wirklich so. Ich kenne Menschen, die äußerlich "schön" dh. ebenmäßig sind, deren Art und Charakter aber so abstoßend sind, dass ich sie gar nicht mehr "schön" sehen kann. Letztens erst wieder erlebt... -.-

    Was bedeutet "normal" essen bei dir? Hast du schon mal geschaut, wie viele Kalorien das sind und ob das vielleicht ein Übermaß ist? Die Kondensmilch im Kaffee kann sich ziemlich summieren (war mein Problem) usw.
    Aber ich bin keine gute Ernährungsberaterin :D
    Mein einziger Tip ist: Iss, wenn du Hunger hast. Und auch nur so viel du Hunger hast.
    Frag nicht, wieso du Hunger hast und ob sich das mit Essenszeiten verträgt oder sowas. Ich hab gestern um 18 Uhr ein Steak gegessen und hatte um 21 Uhr wieder Bärenhunger. Da hab ich mir noch Spiegeleier gemacht. Für mich persönlich gibts nichts Schlimmeres als feste Essenszeiten wie zB in Hotels.

    Wenn du Hunger hast, lausch mal in dich rein:
    Es gibt bei mir zwei Arten von "Hunger": Den einen, der mir sagt, was ich essen will und den anderen, der mir sagt, worauf ich Lust habe - Süßes zB.
    Witzigerweise ist bei der ersten Art von Hunger nie Junkfood oder sowas dabei. Ich habe nie "Hunger" auch Chips oder Schokolade, sondern "Lust".
    Auf was hast du Hunger? Süß, sauer, salzig? Knusprig, weich? Ich kann das teilweise sehr genau sagen.

    Und Hexe: Du bist ganz genau so, wie du bist, in Ordnung. Voll und ganz. :)
  19. Hexenfeuer

    Hexenfeuer Neu im Forum

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    Ja zu mir selbst zu sagen so wie ich bin das wünsch ich mir auch aber ich möchte nicht so sein wie ich bin.

    Ich bin weder körperlich noch charakteristisch hübsch in keinem kulturkreis. ich sehe schon fast aus wie ein mann mit langen haaren und einer ebenso tiefen Stimme. Früher hab ich es geschaft zu sagen ja hübsch sein das ist nicht für mich bestimmt und ich muss sehn was ich sonst leisten kann im Leben um Akzeptiert zu sein. Es wahr der Sport aber ich wahr nie so gut wie meine brüder leider konnten sich meine eltern das sportgymnasium für mich nicht leisten bei meinem bruder wahr es noch keine privatschule. Und so konnte ich auch irgentwann nicht mehr mithalten bei den höheren meisterschaften.Ich frage mich ob meine tiefe Stimme von dauernden erbrechen seit mehr als einem jahrzehnt kommt oder ob sie auch ohne dem so geworden währe?

    Was normal essen bedeutet habe ich im anderen thema schon geschrieben. das mit dem hunger und nur dann essen kenn ich schon bisher habe ich nie das gefühl gehabt genug gegessen zu haben selbst wenn ich bald platze. Auch bei nicht-fressanfällen esse ich wesentlich mehr als andere menschen.

    Ihr schreibt so anders bisher war ich in allen möglichen foren aber eher pro das bringt mir nichts so werde ich nie lernen normal zu leben.
  20. Lilly87

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    Hallo,
    ich habe diesen Blog entdeckt und wurde sofort gefesselt. Vorweg möchte ich bemerken, dass es schon interessant ist, wie intensiv und gefühlsdefiniert jeder über seine Krankheit und Vergangenheit spricht. Und in einigen Geschichten habe ich Teile meiner eigenen gefunden. Ein gutes und zugleich trauriges Gefühl.
    Bei mir fing alles mit ca. 16 Jahren an. Als Kind war ich immer dünn. Ein regelrechter Strich, wie meine besorgte Mutter immer sagte. Meine Mutter, deren Stütze ich oft war. Auch wenn mir das damals nie klar war. Die Beziehung zwischen meinen Eltern war alles andere als warm. Mein Vater verteilte lieber abfällige Bemerkungen als liebevolle Komplimente. Meine Mutter, die sich um Haushalt und uns Kinder kümmerte, wurde für ihre ARbeit nie ganz anerkannt. Vielmehr gab mein Vater ihr das Gefühl, sie sei verschwenderisch.

    Damals würde ich mich im Vergleich zu meinen Mitschülern einen Schritt voraus bezeichnen. In der Grundschule hatte ich ohne viel Aufwand immer gute Noten gehabt.
    Mit dem Schulwechsel trat auch der körperliche Wechsel ein. Während meine Klassenkameradinnen immer noch auf erste Wölbungen warteten, hatte ich bereits eine ordentliche Brust und meine Tage.
    Ich schämte mich für beides. Trug weite Pullis, und verheimlichte meine Regel. Ich konnte mit niemanden wirklich drüber reden. Genauso redete ich nie dadrüber, wenn ich einen Jungen verknallt war. Ich behielt alles für mich.
    Trotz der ersten weiblichen Rundungen, war ich immernoch schlank.
    Dies änderte sich dann mit 14/15. Ich aß fleissig Süßes und nahm zu. Zwar wurde ich nie richtig fett, aber hatte eine doch recht weibliche Figur.
    Das bemerkten natürlich auch meine Eltern. Mein Vater, der mit meiner jugendlichen Rebellionsphase sowieso nicht umgehen konnte, sagte mir einmal hämisch, dass meine Oberschenkel ganz schön dick seien und ich Sport treiben sollte. Ich spielte die Starke und tat damals so, als würden seine Worte an mir abprahlen. Eine musste ja stark sein.
    Irgendwann fing meine Mutter auch an. Sie verglich mich mit einer Klassenkameradin, die ohnehin einen kindlichen Körper hatte, dem ich längst entwachsen war. Der ständige Vergleich tat unheimlich weh. Aber ich zeigte das nie.
    Stattdessen ließ ich mich drauf ein, mit meiner Mutter die bescheuerte Brigitte Diät zu starten. Der Anfang vom Ende...
    Zielgewicht sollten 62 kg werden (Ich wog damals glaub ich um die 64 kg bei 1,73m).
    Die Diät machte mir anfangs echt Spaß. Das Gefühl morgens auf die Waage zu steigen und Gewicht verloren zu haben, dass machte mich Stolz.
    Irgendwann war die Brigitte Diät vorbei. Meine eigene Diät jedoch ging erst richtig los.
    Ich kannte irgendwann sämtliche Kalorientabellen auswendig, trieb viel Sport und fühlte mich mit jedem schwindenen Kilo selbstbewusster und stärker.
    Irgendwann war ich bei 58 angekommen und gehörte somit mit zu den coolen Mädels an unserer Schule.
    Jungs begehrten mich, Mädchen bewunderten mich (zumindest sah ich da so), weil ich dünn war.

    Mit 17 erbrach ich das erste Mal. Es war eher ein lustiges Spielchen. Ein Verusch. Ich aß Eiskrem. Danach wollte ich ES mal ausprobieren. Die Prozedur mit den Fingern im Hals erwies sich als äußerst anstrengend und schmerzhaft. ABer nachdem das Eis draussen war, fühlte ich mich erleichtert. Plus das war mein kleines Geheimnis, von dem niemand wusste. Nur ich konnte entscheiden dadrüber. Meine kontrollsüchtige Mutter ahnte nichts.
    Irgendwann ahnte sie es doch. Sprach mich drauf an, erwischte mich. Meine schlanke Figur war mittlerweile grenzwertig-ausgehungert. Das sahen auch meine Freunde. Einige zogen sich zurück,andere sprachen mich drauf an.
    Irgendwann entschied ich mich für eine stationäre Therapie. Einen Monat.
    Danach dachte ich, dass ich geheilt sei. Was ich noch lang nicht war. Immernoch grenzwertig dünn (Gerade mal 53 oder 54 wog ich bei der Entlassung. Und fühlte mich dick..)

    Zunächst erbrach ich erstmal nicht. Achtete aber immernoch recht genau auf meine Ernährung.
    Magersucht war hiermit langsam beendet.
    Dann kam die Bulimie. Ich war im Ausland und nahm kräftig zu (10 kg). Danach akzeptiete ich meinen Körper nicht mehr. Und ich hasste mich, weil ich keine Disziplin mehr besaß was das Essen anging. Meine Fressanfälle häuften sich.
    Es gab Phasen, da lief es besser. Da bekam ich nur einmal die Woche so einen Anfall. Manchmal hielt ich sogar einen Monat durch. Aber es gab auch Phasen, da erwischte es mich täglich. Besonders die, wo ich alleine war, unter Druck stand oder in einem emotionalen Konflikt.
    Mittlerweile bin ich Mitte 20. Die ganze Esssache begleitet mich quasi seit 10 Jahren. Und ich hab es so satt.
    Ich will einfach, dass es aufhört. Und gleichzeitig will ich mein Gewicht halten.
    Besonders in letzter Zeit ist es nach und nach schlimmer geworden. Ich bin gerade mit meinem Studium fertig. Neue Stadt. Praktikum, wo die Übernahme noch ungewiss ist (ich soll mich dort erstmal beweisen). Die Sache mit den Männern ist auch katastrophal und Freunde fehlen mir auch noch gute. Ich kenne zwar Leute, aber irgendwie langweilen die mich eher.
    Angst vor der Zukunft und die Frage, ob meine Entscheidung richtig ist.
    Durch die Anfälle merke ich, wie ich mir Energie raube und hasse mich dafür. Weil mir die Energie für wichtigeres fehlt.

    Naja, was ich sagen will: Letzendlich weiß ich durchaus,dass die Kälte zwischen meinen ELtern, die Unfähigkeit über Gefühle (insbesondere über meine) in der Familie zu reden und die Schwäche meiner Mutter, für die glaubte, die Starke spielen zu müssen, zu all dem Dilemma geführt haben.
    Ich sehe meine Krankheit als Freundin. DIe mir hilft alles zu vergessen. Ich merke förmlich, wie ich während meiner Anfälle mit meinem Inneren diskutiere und Lösungswege für Konflikte suche.
    Ich merke ebenfalls, dass ich mich keinen Konflikten stellen kann. Es ist wie eine Front.

    Ich bin mittlerweile zermürbt und fühle mich so verloren. Niemand, absolut niemand, weiß über meine dunkle Seite bescheit. Nach außen bin ich die lustige und starke Madeleine, die genau über Gefühle Bescheid weiß, anderen den Rücken stärkt und selber stark ist, wenn es um eigene Gefühle geht. Manchmal rede ich mir ein, ich könnte meine Gefühle genau kontrollieren. Was ich zulasse und was nicht. Wut kann ich 1a unterdrücken. Genau wie Tränen.
    Aber das heißt ja nicht, dass ich diese Gefühle nicht trotzdem empfinde,oder? Nur, dass ich sie mit Essen (=Liebe?) versuche zu ersticken und alles aus mir raushole und in unser Abwassersystem befördere.

    Oh man, wie gesagt,ich fühle mich lost, gestrandet und hasse mich gerade für meine Schwäche und Energielosigkeit. Und für meine Passivität.

    Jedenfalls hat mir das Forum etwas geholfen, da ich gesehen habe, dass es anderen Betroffenen ähnlich geht und sie teilweise die selben Hintergünde haben.
    Danke dafür!