Wieso schreibe ich über meine Krankheit?

Dieses Thema im Forum 'Bulimie Blog' wurde von Michi gestartet, 29 Mai 2011.

  1. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    Mhhh, gute Frage.
    Ein genaues Ziel habe ich nicht, ich verspüre wohl eher den Wunsch die Geschichte über mich und meiner Krankheit preiszugeben mit der Hoffnung es verhilft mir zum endgültigen Loslassen sowie Leben und Essen ohne Zwang, Druck, schlechtem Gewissen, anschließendem Übergeben, schlechter Laune, Tränen und einem Gefühl am Boden zerstört zu sein. Das ist wohl mein egoistischer Grund, der dahinter steckt.
    Zum anderen kann ich vielleicht anderen Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern helfen dahin zukommen, wo ich bereits stehe oder sogar weiter und evtl. zu dem besten Ziel: Gesund zu werden. Obwohl ich später noch die Frage aufwerfe, ob es überhaupt geht. Ich weiß es selbst nicht. Ich möchte jeden Kranken auf seine Krankheit aufmerksam machen. Dir muss bewusst werden, wo du stehst und dass es dir vielleicht nicht gut geht und eher ziemlich schlecht. Der erste Schritt ist immer das Begreifen. Zu wissen, dass etwas nicht richtig verläuft, ist den meisten klar. Aber man belügt sich immer und sagt sich, dass man darüber steht. D.h. mit Begreifen meine ich, dass man einsieht, dass es nicht so einfach geht aus dem Teufelskreis auszubrechen und man bestimmt nicht einfach aufhören kann. Man aber damit aufhören muss, um wieder ein unbeschwertes Leben leben zu können. Mir geht es so, dass ich anfangs dachte,

    • dass ich entweder jeder Zeit aufhören kann, wenn ich will und wenn es kritisch wird oder
    • dass es das letze Mal ist. Das ist wohl die Lüge schlecht hin, mit der ich mich seit meiner Krankheit immer wieder selbst belüge.

    Weiterhin möchte ich Außenstehende, Bekannte, Verwandte, die Freunde darauf aufmerksam machen, was Anzeichen für Magersucht und Bulimie sind. Ich möchte ihnen einen Einblick geben in eine weit entfernte Welt und sie für die Krankheit und die Kranken sensibilisieren. Einfach einen Kranken zum Arzt zu schicken ist sicherlich der komplett falsche Weg. Obwohl es manchmal, wenn man kurz vor dem Tod steht, es keinen anderen Ausweg gibt.
    Mir selbst hilft es jedenfalls andere Geschichten zu lesen, wie andere versuchen da rauszukommen, aber auch zu wissen, man ist nicht alleine. Es gibt wahrscheinlich auch viel mehr Betroffene als du denkst. Aber ein Austausch ist mir total wichtig. Und zu meinen schlimmsten Zeiten war ich da wenigstens ein paar Sekunden abgelenkt von dem Gedanken es wieder zu planen, zu machen, zu weinen usw. D.h. ich will auch versuchen dich abzulenken und versuchen, dass du auf andere Gedanken kommt.