Sollte man sich jemandem anvertrauen?

Dieses Thema im Forum 'Bulimie Blog' wurde von Michi gestartet, 29 Mai 2011.

  1. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    Natürlich, aber erwarte kein Verständnis, keine Hilfe und keinen Blick für euch und eure Krankheit! Keine gesunde Person hat leider oder zum Glück die Erfahrung, die eine kranke Person macht, woran sie leidet und was sie durchmacht. Oder hättest du dir das Leben einer Essgestörten vor deiner Krankheit vorstellen können? Ich denke niemand kann erahnen, was es für ein Leben ist, aber das ist auch nicht schlimm. Dennoch ist Mitteilen sehr wichtig, v.a. um Leute zu finden, die einem helfen können, falls es die direkten Personen, denen man sich anvertraut hat, nicht können.
    1. Natürlich ist es schwer sich jemandem zu öffnen, da man es sich erstmal selbst eingestehen muss. Es dann auch noch auszusprechen, ist wohl ein erster, entscheidender, aber sehr anstrengender Schritt.
    2. Wem man sich zuerst anvertrauen sollte, muss jeder selbst entscheiden. Ich entschied mich für meine Mutter.Das war bestimmt nicht falsch, aber sie erschreckte sehr. Da ich über 18 war, konnte sie mich nicht einweisen, aber bat mich zum Arzt zu gehen, was ich dann auch machte. Ansonsten wollte sie immer nur, dass ich genug esse, obwohl ich ihr doch mitteilte, dass ich nicht wenig esse, sondern mich stets übergab. Aber sie verstand das nicht so richtig und achtete immer darauf und animierte mich zum Essen. Es belastete sie nur, was wiederum mich belastete und mir folglich nicht half, sondern es lastete ein zusätzlicher Druck auf mir. Sie meinte nur, dass ich es doch sicherlich hinbekommen werde … Ich dachte mir nur: Hallo? Wieso komm ich zu dir, aber antwortete nur: Na klar. Sie erkundigt sich heute immer nur, ob es mir gut geht, was wohl die Frage darstellen soll: Übergibst du dich? Ich sage immer ja, egal, was ist. Ich kann ihr nicht weiterhin die Wahrheit sagen, da sie sonst zu fertig ist. Es tat gut mit ihr zu reden, aber mehr leider nicht.
    3. Ich vertraute mich meinem Freund an. Anfänglich interessierte er sich sehr dafür. Er las viel, informierte sich im Internet und kaufte ein Buch, das ich auch lesen sollte. Wir redeten oft darüber. Es besserte sich auch, aber ich wollte eben nie eine Therapie machen. Ich ging ein paar Mal zu einer caritativen Einrichtung zur Beratung, was er veranlasste. Es tat gut und es besserte sich. Aber wir redeten auch immer weniger und ich warf ihm indirekt vor, dass er mir nicht half. Was ein Fehler war, denn, was sollte er denn tun? Ein Außenstehender will ja auch keinen falschen Schritt machen und hat keine Ahnung, was er wann und wie ansprechen soll. Momentan reden wir nicht mehr. Es war in den Jahren teilweise wieder sehr schlimm, momentan ist es besser, aber nie weg.
    4. Ich erzählte es einigen Freunden. Sie sind gute Zuhörer, aber können ja nichts unternehmen. Auf jeden Fall habe ich viele Leute, die für mich bzgl. der Krankheit da sind. Aber soll ich sie anrufen, wenn es passiert ist? Oder kurz davor? Währenddessen?
    Ich weiß nicht mehr, ob man jemals “clean” werden kann, ob man je davon wegkommt, weil es ein so einfaches Ventil ist. Ich bin zwar momentan auf dem besten Weg und es ist die beste Zeit seit Anfang, d.h. es ist am seltensten, aber nicht weg. Es hilft mit Personen zu reden, gerade weil es einen psychisch fertig macht (natürlich auch körperlich), aber um selbst aufhören zu wollen, muss man den Willen haben und eben bereit sein jeden Schritt zu wagen und nichts unversucht zu lassen.