Lügen und Ausreden

Dieses Thema im Forum 'Anzeichen & Merkmale der Krankheit' wurde von Michi gestartet, 1 Juni 2011.

  1. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    Lügen und Ausreden


    Eins sehr ausgeprägte und stetig schlimmer werdende Eigenschaft ist wohl das Lügen bzw. all die Ausreden, die man sich ausdenkt, weil man nicht sie Wahrheit sagen kann. Ich bin ein Mensch, dem Ehrlichkeit ein sehr wichtiges, wenn nicht das wichtigste Gut in jeglicher Beziehung und Freundschaft ist. Ich lüge nur bei Kleinigkeiten oder Menschen, die mir nicht so wichtig sind. Also damit meine ich diese Standard-Notlügen, wenn man etwas nicht gleich sagen will oder Treffen verschiebt, usw. Dennoch habe ich bereits jeden Menschen mehrmals angelogen, wenn es um meine Krankheit oder Dinge drum herum ging oder geht.
    Es ist nicht möglich bzgl. dieser Krankheit ehrlich zu sein, ja man wird zum Lügen gezwungen. Du denkst jetzt, das kann nicht sein, aber ich erkläre dir mal ein paar Situationen, die während meiner ganzen Krankheit passiert sind, wonach du verstehen kannst, wieso ich in dieser Hinsicht lügen muss:
    • Ich übergebe mich mehrmals am Tag und einer der Familie oder mein Freund kommt nach Hause und fragt mich, was ich den ganzen Tag so gemacht habe. Soll ich da sagen, ich habe sämtliche Dinge aufgegessen und sie wieder herausgebrochen und zwar mehrmals. Das war meine einzige Beschäftigung. Das ist wie wenn ich sagen würde, ich habe einige Lebensmittel einfach weggeschmissen. Um den Tag nicht zu versauen, aus Scham, aus Reue, aus tiefster schlechter Laune oder weil man einfach nicht darüber reden, verschweigt man dieses Detail und lügt und erklärt, was man so angeblich alles gemacht hat.
    • Wenn dich jemand fragt, ob da nicht noch irgendetwas zu essen da war und du weißt, dass es richtig ist, aber du es gestern “vernichtet” hast, lüge ich aus denselben Gründen, die ich eben ansprach. Manchmal sage ich auch, dass es abgelaufen war und ich habe es weggeschmissen, wenn es keine bessere Ausrede gibt. Oder man kauft es einfach neu und fand es kurz nicht.
    • Wenn sehr viel von einem Kuchen oder so fehlt, sagt man, dass Besuch da war oder man irgendjemandem etwas mitgegeben hat. Oder wenn man sich selbst von irgendetwas viel mitnimmt, wie ein Stück Kuchen oder zwei, dann sagt man, dass man gerade voll ist, aber später sicherlich wieder Hunger habe, obwohl man weiß, man nimmt es nur zum wieder Herauskotzen mit.
    • Man kann niemandem sagen, was einem durch den Kopf geht, wenn man es plant oder/und nur noch daran denkt. Also kann man auf die Frage “Was geht dir gerade durch den Kopf?” wohl kaum antworten, ich plane das alles, was wir da und da haben zu essen und mich danach zu übergeben. Man macht seinen Plan kaputt, man offenbart etwas, das man bereits vorher bereut, man zeigt Schwäche usw …
    • Wenn man aufgerissen Lippen hat, wird man wohl kaum zu jemandem sagen, der einen fragt, dass das am ständigen Mundaufreißen liegt, sondern dass es am Wetter liegt oder an saurer Nahrung usw …
    • Wenn mich manchmal jemand fragt, wie es mir geht und mir geht es wegen meiner Krankheit schlecht, d.h. weil ich mich übergebe habe (einmal oder mehrmals), dann kann ich das nicht sagen. Ich lüge und sage, dass es mir gut geht, obwohl ich vielleicht gerade Bauchschmerzen, Kopfweh, andere Schmerzen in der Bauchregion, Blut im Stuhl, Durchfall, Herzrasen, Zittern, etc. habe.
    Es gibt so viele Situationen, in denen man nicht ehrlich sein kann. Mag sein, dass es am Scham, an Reue, an Selbsthass, an Launischkeit, Nullbock-Heit bzgl. des Redens über das Thema, an Selbstverrat und Zerstörung der Pläne und des Hobbys, auf das man sich freut und das der Körper braucht, usw. liegt, es gibt eine Milliarde Gründe, warum man nicht ehrlich sein kann. V. a. auch in der Öffentlichkeit oder bei der Arbeit, was klar ist. Auf jeden Fall hasse ich diese Eigenschaft an mir, weil mir Ehrlichkeit über alles geht. Nur ich bin in diesem Punkt, womit ich alles um meine Krankheit herum meine, ein furchtbar verlogenen Person, was ich ganz schlimm finde.