Hilft eine feste Beziehung bei Bulimie?

Dieses Thema im Forum 'FAQ' wurde von Michi gestartet, 5 Juni 2011.

  1. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    Ja und nein. Mir sagte mal jemand, dass ich erst eine feste Beziehung eingehen kann, wenn ich stabil und gesund bin. Naja, ich machte es trotzdem, sagte es meinem Partner aber erst viel später. Ich denke die Beziehung leidet auf jeden Fall darunter und wird sehr oft auf die Probe gestellt, da man sich viel streitet, da der/die Kranke teilweise austickt, ob mit Krankheit oder Entzug, oft lügt, lügen muss, da man manchmal nicht die Wahrheit sagen kann (Ruft der Freund an und fragt, was man macht, wird man wohl kaum sagen, ich hänge gerade über dem Klo.), die ganze Beziehung wird durch die Krankheit belastet. Dennoch hilft mir mein Partner sehr. Ich denke, er weiß nicht, wie ernst es ist und manchmal denke ich, er hätte mich zu einer Therapie zwingen sollen, v.a. wie ich so untergewichtig war, dass jeder Tag der letzte hätte sein können, was ihm aber nicht auffiel bzw. er “übersah”. Das verdeutlichte mir oft, komm schon, so wichtig ist es nicht gesund zu werden, da es ja wichtiger Dinge gibt, da es meinem Freund ja auch ab und an egal ist, aber es ist nicht so. Er steckt ja auch nicht drin und weiß nicht, wie elend es mir dabei und danach geht, weswegen ich selbst nur merke, wie kaputt ich mich mache.
    Aber egal, also einerseits kann der Partner ungemein helfen, aber kann, es ist nicht immer so und auch wenn er hilft manchmal gegenläufig, andererseits, steht die Beziehung, wenn man sie als Kranke eingeht bereits von Anfang an auf einer sehr harten Probe!
    Auf jeden Fall muss es der Partner irgendwann erfahren, wenn man zusammen wohnt. Es muss bescheid wissen, um damit umgehen zu können und zu “sehen” und verstehen, was oft los ist. Außerdem sollte man sich dem Partner öffnen und ihm zeigen, wer man ist und welche Probleme man hat. Sonst lernt er einen nicht richtig kennen und es steht immer etwas dazwischen, v.a. etwas Großes, dass teilweise das ganze Leben des anderen bestimmt.
    Der Partner sollte auch eine Chance erhalten zu helfen, gleichzeitig ist es für den Kranken eine Entscheidung gegen die Bulimie, da man anfangen muss richtig aufzuhören, wenn man in der Beziehung bleiben will
  2. Sonnenaufgang

    Sonnenaufgang Neu im Forum

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    Ich habe mal eine Frau getroffen die über 10 jahre bulimie hatte. heute ist sie eine bodenständige frau und frei von zwängen. ich hab sie gefragt wie sie es geschafft hat aus dem teufelskreis auszubrechen. ihre antwort war, dass ihr damaliger freund(jetziger mann ) sie dort rausgezogen hat.

    Ich denke Männer sind oft nicht ausreichend sensibilisiert um einfühlsam genug, um auf eine essgestörte frau einzugehen. Aber es kann eine große stütze und entlastung sein. wenn man weiß es steht jemand hinter einem der einem sehr viel bedeutet und der einen liebt. wenn ich ich-selbst vor ihm sein kann und ihm meine gedanken mitteile ohne angst haben zu müssen dass ich diese person durch meine krankheit verliere, nimmt das enorm viel druck von mir. manchmal ist ein partner auch ein lichtblick. das man sagen kann für diese beziehung lohnt es sich zu kämpfen.
    dennoch sollte man glaub ich nie vergessen dass man für sich selbst kämpfen muss. man sollte gesund werden wollen weil man es selbst will und nicht für andere.
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  3. HannyBee

    HannyBee War schon öfters hier

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    Gina, du bist dir selber ein Superratgeber! :D Du hast es verstanden! Bei mir hat das auch echt lange gedauert, bis ich kapiert hab, dass NIEMAND JEMALS kommen wird, um mich zu retten. Es war eine der traurigsten Einsichten meines Lebens, wirklich. Und dann hab ich gedacht: Ok, scheiß drauf. Dann machst du es halt selbst. :) Keep on trying! :*
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  4. HannyBee

    HannyBee War schon öfters hier

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    Zur Sache:
    Ich hatte eine lange Zeit eine Fernbeziehung. Es hat mir viel gegeben, dass es einen Menschen gibt, der mich so annimmt, wie ich bin und es hat meine eigene Sicht auf mich verändert, hat mir gezeigt, dass ich liebenswert bin. Auch wenns jetzt in die Brüche gegangen ist (nicht wegen der ES).
    ABER und das ist der springende Punkt: Er hat es weder verstanden, noch konnte er "mir da raushelfen" - ich hätte mich von niemandem zwingen lassen. Er war einfach nur lieb und nett und hat mich geliebt. Den Rest hab ich selbst geschafft! :D

    Mädels, glaubt nicht, dass der Prinz kommt und euch rettet. Wenn ihr darauf setzt und das geht in die Brüche, dann habt ihr zwei Probleme: Trennungsfrust UND ihr fallt wieder ins Loch.
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  5. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    Also ich hatte ES ja auch und kam mit meinem Freund zusammen. Und es war genauso, anfangs wusste er nichts, mehr als ein. Jahr glaube ich, dann habe ich ihm es gesagt. Ich aß anfangs wieder viel mehr und behielt es, ich nahm zu, aber es störte mich nicht, lag wohl auch an der Anfangsverliebtheit, in der man andere Dinge im Kopf hatte. Da ich mich aber kein bisschen auf die Krankheit konzentrierte, die da sozusagen übergangen wurde, ich mich kein bisschen mehr damit auseinandersetzte und wohl einfach gesund sein wollte, wandelte sich die Überspieltheit schnell um und ich fühlte mich total dick, unattraktiv, etc. Und meine ES wurde schlimmer, ich fing wieder an mich zu übergeben und weniger zu essen, Sport im Übermaß zu trieben, etc. Es war also, denke ich, nicht gut. Die Beziehung half mir, d.h. meiner Laune, aber man muss sich mit der Krankheit beschäftigen und darf sich nicht so treiben lassen, bis man dann wieder drin steckt. Man muss es aktiv anpacken, was mit vielen Tränen und noch m ehr Traurigkeit am Anfang verbunden ist. Immer, wenn es mal nicht war, hätte ich am Abend nur noch weinen können, was ich auch oft gemacht habe. Auch heute bin ich sehr sensibel bzgl. dieses Themas und habe oft Tränen in den Augen. Aber meine Wutausbrüche, meine Aggressivität nahm schon ab und ich bin ausgeglichener. Nur klar, man nimmt dem Körper ja seinen wichtigsten Bestandteil gerade, sein Leben, seine Routine, und dass das mit viel Energie und Elend verbunden ist wie dir Krankheit eben auch, ist nicht einfach, weil man denkt, man rutscht von einem Loch ins nächste und wird wieder schnell rückfällig, da es ja "eh nichts bringt".
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  6. Sonnenaufgang

    Sonnenaufgang Neu im Forum

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    hallo ihr lieben, tut mir leid dass ich lange nichts mehr gepostet hab, ich bin jetzt in einer klinik wegen der essstörung.. hier merke ich dass sich die beziehung mit meinem freund deutlich erschwert hat. wir kriegen uns wegen kleinigkeiten in die haare, ich bin sehr gereizt und sehe alles immer nur negativ. ich erzähle ihm viel von den therapien und meinen gedanken die mich beschäftigen, aber er versteht mich nicht, kann nichts damit anfangen.
    gibt es überhaupt einen mann mit dem man über solche tiefgründigen dinge reden kann?
  7. HannyBee

    HannyBee War schon öfters hier

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    Hi,
    ich verstehe, dass du gern drüber reden würdest, was dich bewegt und das ist zur Zeit nun einmal die Therapie und was es für dich alles Neues auf den Tisch bringt. Das ist für Männer sehr schwer (jedenfalls für die, die ich kenne), über so tiefgreifende Emotionen zu reden. Nicht die tiefgründigen Dinge sind es. Wenn das alles rational ist und analytisch, ein Anfang und ein Ende hat, kann er es nachvollziehen, aber die Emotionen wühlen auch in ihm auf, was er vielleicht lieber begraben möchte.
    Die Unterstützung, die du dir wünschst, wird er dir aber vielleicht in anderer Form geben können: Wenn du zB sagst: Ich brauch das, dass du mich jetzt in den Arm nimmst. Da weiß er, was er persönlich dazu beitragen kann. Er ist ja kein Therapeut (?), er ist dein Freund. Wenn dir was einfällt, was dir sehr wichtig ist, was er tun kann, frag ihn, ob er dir das Geschenk machen möchte.
    So wie ich das bisher erlebt habe, ist das für Männer schwer zu akzeptieren, dass da jemand sich selbst kaputt macht und sie können (aus ihrer Sicht) nichts tun. Sie würden gerne Leute schlagen, Bäume fällen, Wege freiräumen - und nicht einfach nichts tun.
    Ansonsten: Entschuldige, wenn das jetzt blöd klingt, aber: Wieso willst du unbedingt mit Männern drüber reden? :)
  8. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    Hi Sonnenaufgang, also ich kann mit meinem Freund schon darüber reden, nur erzähle ihm nicht die schlimmsten, peinlichsten Dinge. Aber manchmal teile ich ihm "meine krankhafte Gedanken und Überlegungen, Abwägungen" gegenüber dem Essen mit. Ich merke und weiß, dass er es kein bisschen nachvollziehen oder verstehen kann, aber ich denke, dass kann auch kein Außenstehender, das weiß ich, weil ich diese komischen Gedanken auch nicht verstanden hätte als ich noch gesund war oder zumindest hätte ich sie nie richtig verstanden. D.h. ich kann mich ihm mitteilen und er ist für mich da, nur meiner Meinung nach zu wenig und er spricht mich nicht darauf an und ich denke mir als "hallo, du weißt doch bescheid". Nur das weiß er eben nicht. Er hat ja nie diese Gedanken und gesunde MEnschen denken auch nicht so viel oder viel weniger über das Essen nach und ich habe gelernt ihm nichts übel zu nehmen, ihm nie mehr Vorwürfe zu machen. Ich kann nurmir Vorwürfe machen, dass ich nicht das Labern von mir aus anfange, wenn ich es brauche, weil ich weiß es ja dann. Dadurch dass er eben in einer ganz anderen Welt lebt, und eben nichts nachvollziehen kann, rede ich aber seltener mit ihm, aber weil es eben nicht viel bringt. Es hilft ihm ein bisschen die Augen zu öffnen, aber was ist mit mir? Deswegen habe ich aber ja z.B. dieses Forum, ich kann mit euch darüber reden, Menschen, die mich verstehen und zwar richtig. Hier fühle ich mich verstanden und es ist auch nicht so schwer mit euch zu reden, weil ich euch nicht den Blick für das Öffnen muss, was ich und ihr durchmacht oder durchgemacht habt. Er kennt inzwischen den Blog und er weiß, wer ich hier bin und kann alle lesen. Ich will versuchen ihn so viel wie möglich daran Teil haben zu lassen, aber mehr geht eben nicht. Aber so ist es gut. Weil das Reden hilft mir mit euch, aber ich will vor ihm nicht ein MEnsch sein, der ich nicht bin, sondern er soll mich kennen und ich mag ihn nahe bei meiner wahren Person haben. Und ja HannyBee hat total Recht. Gerade den Freund wühlen diese Dinge auf, das Selbstzerstörerische und dass man sich kaputt macht. Ich meine, dein Freund will vielleicht eine Zukunft mit dir oder jetzt einfach nur ein schönes Leben haben und er sieht wie sich die Freundin selbst kaputt macht, v.a. mit Sachen wie dem Essen, was für ihn evtl. einfach nur ein Genuss ist. Dein Freund möchte, dass es aufhört und denkt, hör doch bitte einfach auf, du kannst es nicht. Aber wie soll er mit den ständigen Rückschlägen, deinen Launen, etc. umgehen, wenn du es wahrscheinlich nicht kannst. Es ist nicht immer so, dass uns die Freunde nicht helfen wollen, sie können es nicht. Sie sind selbst überfordert. Und deswegen musst du ihm zeigen, wo er helfen kann, aber es muss dann auch helfen und ich weiß, dass man es ja selbst nicht weiß, ständig Rückschläge kommen und das alles zu stetigem Stress führt. Du musst also wissen, was dir hilft und wo er helfen mag. Und helfen dir tiefgründige Gespräche mit deinem Freund über das ganze Elend oder die ganze Krankheit wirklich, obwohl du weißt, er versteht nur Bahnhof und kann es nicht nachvollziehen? Ich denke nicht und das musst du aus deinem Kopf kriegen. Mir tut es gut, dass man Freund mich kennt und er auch diesen Teil von mir kennt, Verständnis oder tiefgründige Gespräche gehen zu weit, weil er damit nicht umgehen kann. Aber versteh mich nicht falsch, wir reden viel, nur dass ich ständig sage, wie beschissen es mir geht, was mir durch denn Kopf geht und weswegen ich mir Sorgen mache, wobei die Welt "schlimmere" Sorgen hat, hilft mir nicht. Weil ich habe ein riesen Problem, das er nicht so richtig einschätzen kann, also er weiß, dass es so ist, aber natürlich kann er sich da nicht reindenken, was ja auch gut ist, er soll ja gesund sein. Ich will damit nur sagen, auch für den Partner ist es schwer und du musst wissen, was dir hilft von ihm und was nicht (was man erstmal rausfinden muss), aber rede viel mit uns, die Beziehung braucht auch mal Luft davon und Abstand, nicht nur, lass ihn auf jeden Fall daran Teil haben, aber die Beziehung soll dir auch Energie geben und das braucht eine gute Basis, in der auch Luft zum atmen ist und zwar dir auch die andere Welt gezeigt wird, die in der es nicht nur diese krankhaften Gedanken gibt und ich denke den Teil können die Männer gut übernehmen.