Härte, aber keine Gefühlskälte

Dieses Thema im Forum 'Tipps für Außenstehende' wurde von Michi gestartet, 5 Juni 2011.

  1. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    Die Überschrift sagt bereits alles:
    Seid hart zu der Kranken, aber nicht emotionslos, distanziert und gefühlskalt.
    Natürlich fällt es manchmal schwer, aber egal wie euch eurer Partner oder eurer Freund anmacht, wobei es hier klare Grenzen gibt, denkt daran, dass er total verwirrt ist und innerlich kaputt. Das Essen, was ihr als Grundnahrung anseht, ist bei ihm der Feind. Sein Hormonhaushalt ist gestört, was sich nicht selten auf die Laune und die Art auswirkt. Dennoch seid ihr die gesunden Menschen, die versuchen sollten darüber zu stehen und immer wieder einzulenken. Oder so oft ihr es könnt.
    Bulimie ist eine Sucht, zu der Entzugserscheinungen, auch wenn sie nicht so offen auf den Tisch gelegt werden, dazugehören. D.h. der Kranke wird oft ausflippen und euch schlimme Dinge, an den Kopf werfen, was er aber in dem Moment nicht bereut, erst später, wenn er wieder klar denken kann. Wenn er es dann nicht bereut, läuft was falsch. D.h. distanziert euch nicht, seid lieb und freundlich. Der Kranke braucht nichts mehr als Nähe, weil er so leer und ausgelaugt ist, auch wenn er in dem Moment immer oft so tut, als ob ihm alles egal ist und er nichts von anderen wissen mag.
    Mit Hörte spiele ich darauf an, dass ein Entzug nicht einfach ist und Kranke natürlich oft Rückfälle haben. Seid sauer, wenn sie euch Dinge “wegessen” bzw. nicht wegessen, das ist das falsche Wort, da es ja durchaus ok wäre, wenn sie es einfach behalten würden. Aber seid sauer, wenn sie es für einen Fressanfall vernichten. NUR: Lenkt dann wieder ein. Seid erstmal richtig böse und fies und legt ihnen das Messer auf die Brust, da es so nicht weiter geht. Aber habt später Verständnis, da der Kranke eben auch nur ein Sklave der Krankheit ist und manchmal in seinem Wahn keine Kontrolle mehr hat. Das bereut ein Bulimiker dann oft sofort und weint und heult furchtbar, aber wenn ihr es merkt, ist wahrscheinlich schon einen Zeit vergangen, und ihr habt nichts mitbekommen.
    Also seid hart, sauer und sagt klipp und klar, das es so nicht weitergeht und ihr das so nicht mehr mitmachen wollt. Aber zeigt danach, dass ihr bereit seid, um einen Kampf gemeinsam anzugehen und nicht, dass ihr die Bulimiker verabscheut und eure Beziehung darunter leidet. Weil aus diesen neuen Vorwürfen und dem schlechten Gewissen der Kranken, das sie nicht nur sich, sondern auch das Sozialleben und die zwischenmenschlichen Beziehungen kaputt machen, entwickelt sich ein neuer Fressanfall, da man damit nicht klar kommt.