7-14.Woche – Antriebslosigkeit und Angst

Dieses Thema im Forum 'Bulimie Blog' wurde von Michi gestartet, 1 Juni 2011.

  1. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    Ohje, ich weiß, ich habe es viel zu lange vor mir hergeschoben und nichts mehr geschrieben, aber dafür gibt es leider auch Gründe, die bedauerlich sind. Mir ging bzw. geht es in letzter Zeit (seit der 5-6.Woche) wieder viel schlechter, weswegen ich keine Lust, keinen Mut und keinen Antrieb hatte darüber zu schreiben. Aber mehr dazu jetzt …
    1. Die Krankheit hängt leider sehr stark mit Antriebslosigkeit zusammen. Umso öfter man sich übergibt und umso mehr man wieder in der Welt einer Kranken steckt, für die es leider fast nur ein Thema gibt, um das sich der ganz Tag dreht, desto mehr verfällt man in ein depressives Verhalten. Das merkt man leider nur, wenn es einem wieder besser geht, da man ansonsten den Vergleich nicht kennt, wie sich ein gesunder Mensch fühlt. Ich frage mich in den Zeiten, in denen ich vermehrt mit mir und meiner Krankheit beschäftigt bin immer, wieso manche Menschen so viel lachen v.a. bei Dingen, die gar nicht so witzig oder erfreulich sind. Aber das ist einfach eine “Basis-Gute Laune”, die ein bulimisches Mädchen leider nicht besitzt. Ich konnte mich nicht mal mehr aufraffen zu schreiben, weil ich mit enormen Rückschlägen selbst nicht fertig werde. Ich hasse diese ständigen Schuldgefühle, die wieder den Tag bestimmen, die Gedanken, die sich nur um das eine Thema, das Essen, herum drehen, die Gänge zur Toilette, die Angst erwischt und deswegen weniger geliebt zu werden. Es geht soweit, dass ich mich selbst wieder nicht mehr leiden kann und folglich auch kontaktscheu werde.
    2. Nun erstmal kurz zu dem momentanen Stand. So schlimm, wie es klingt ist es nicht (bzw. es war auf jeden Fall schon um einiges schlimmer.). Ich übergab mich ca. dreimal die Woche und an den Tagen, aber mind. zweimal. Die Frage ist, wie bin ich da wieder reingerutscht, aber ich kann sie nicht wirklich beantworten. Ich weiß, ich esse zu viel Obst und wenn ich viel daheim bin, passiert es schnell, dass ich mich deswegen bereits zu voll fühle. Und ich habe manchmal, wie jeder normale Mensch, das Bedürfnis etwas Süßes oder zumindest kalorienreiches (Das wäre bei mir schon ein Brötchen mit Käse) zu essen. Das wird sich logischerweise auch nie ändern. Aber wenn ich dann einen kleinen Teil davon zu mir nehme, da ich mir nicht mehr alles verbieten mag und ich alleine (manchmal ist die Anwesenheit von anderen Personen egal) bin, komme ich mit dem schlechten Gewissen nicht klar. Ich packe es nicht und außerdem würde ich ja gerne mehr davon essen. Also esse ich dann mehr und dann übergebe ich mich. Das Problem ist nur, dass so ein Ausrutscher meist den Tag kaputt macht, ich neben äußeren Erscheinungen wie Herzrasen, Kopweh, Kältegefühl, Austrocknen, Bauchweh, etc. (manchmal tritt aber auch nichts ein, meist erfolgen diese Symptome erst am nächsten Tag oder insbesondere nach dem zweiten Mal Übergeben; nach einem Mal und wenn es nicht zu heftig war, fühlt man sich noch gesundheitlich gut) v.a. ein furchtbar schlechtes Gewissen habe, es wieder getan zu haben, worauf gleich ein zweites Mal folgt. Der Magen ist danach leer, man hat wieder Hunger, fängt an und der Kreislauf geht seinen Weg.
    3. Wie kam ich da wieder ein Stück raus? Seit 22.10 war es nämlich nicht mehr. Ich versuchte weniger daheim zu sein. Ich kann super arbeiten, aber nicht mit vollem Bauch. Daheim esse ich aber viel und kann mich dann nicht mehr konzentrieren. Wegen dem vollen Bauch, dem ständigen Weiteressen, weswegen er nicht weggeht und den Gedanken, die mich ständig damit konfrontieren: “Wäre es nicht besser du würdest dich übergeben – gerade um der Arbeit willen?”. Ich versuche immer mehr ein bisschen von dem zu essen, was ich mir verbiete. Aber es ist schwer. Bei Kleinigkeiten beginnt bereits mein schlechtes Gewissen und außerdem esse ich weiterhin zuviel Obst. Ich versuche natürlich das Obst zu reduzieren, aber ich kann es nicht. Auch wenn ich mir das verbiete, ich bin da nicht Herr über mich selbst. Ich denke, da regiert die kranke Person in mir. Leider!
    4. Ich habe jetzt schon Angst vor der Weihnachtszeit. Ich liebe Weihnachten und ich liebe die süßen Leckereien. Nicht alle, aber einige. Tja, und ich denke, ich habe Panik, weil ich Angst habe, dass es mir wieder richtig schlecht geht, weil ich weiß, dass ich viel probieren und essen mag, was aber nicht ohne Konsequenzen bliebe außer ich werde mich wieder vermehrt übergeben.
    5. Was mich momentan wieder so runterzieht, ist, dass ich schon wieder so viele Gedanken an diese Krankheit verschwende, und ich wieder denke, dass ich es nie packen werde. Dieses Gefühl ist schrecklich und es erfordert so viel Energie sich immer wieder zu sagen, du packst es. Irgendwann wirst du es gepackt haben. Ich weiß nie, belüge ich mich da selbst, da ich weiß ich werde es nie packen oder kann man es wirklich schaffen.
    6. Ich merke einfach, wie schlimm diese Krankheit und der Weg daraus ist. Ich denke bzgl. des Entzugs gehört sie zu den schwierigsten. Das liegt daran, da sich ständig alles um das Essen dreht. Klar, man kommt an keinem Tag ohne Essen aus, ständig konfrontieren einen Mitmenschen damit und man kann keinen richtigen Entzug machen, da man ja essen muss. Ob ein Alkoholsüchtiger jemals vom Alkohol wegkommen würde, wenn er jeden Tag wieder ein paar Tropfen oder ein Glas trinken müsste. Ich denke nicht, aber der Vergleich ist passend. Natürlich müsste man sich genauer mit einem stichhaltigen Vergleich beschäftigen, aber Bulimie ist und bleibt eine furchtbare Krankheit, aus der man keineswegs einfach, wenn überhaupt, rauskommen kann. Ich habe Respekt vor allen, die wirklich von sich sagen können, dass sie bzgl. dieser Krankheit clean sind und sich vor jedem Rückfall selbst schützen können bzw. gar nicht mehr auf diese kranken Gedanken kommen.
    So, wie du sicherlich merkst, geht es mir einfach wieder ziemlich dreckig. Ich kann es nicht ändern, aber ich habe ein grundweg eher negatives Gefühl und bin nicht wirklich happy. Ich bin leider wieder an einem Punkt, an dem ich schon viel zu oft war und immer wieder neu beginnen muss. Ich bin bzgl. diesem Thema und konsequenterweise auch komplett ausgelaugt, dass ich einfach keine Lust und Kraft mehr habe immer von vorne anzufangen. Aber ich denke auch und da spricht wieder die gesunde Person in mir, dass es klappen wird, nur ein ewig langer Kampf ist und ich sicherlich noch nicht mal die Hälfte geschafft habe – leider.
  2. Gina

    Gina Guest

    ”Aber wenn ich dann einen kleinen Teil davon zu mir nehme, da ich mir nicht mehr alles verbieten mag und ich alleine (manchmal ist die Anwesenheit von anderen Personen egal) bin, komme ich mit dem schlechten Gewissen nicht klar. Ich packe es nicht und außerdem würde ich ja gerne mehr davon essen. Also esse ich dann mehr und dann übergebe ich mich. Das Problem ist nur, dass so ein Ausrutscher meist den Tag kaputt macht, ich neben äußeren Erscheinungen wie Herzrasen, Kopweh, Kältegefühl, Austrocknen, Bauchweh, etc. (manchmal tritt aber auch nichts ein, meist erfolgen diese Symptome erst am nächsten Tag oder insbesondere nach dem zweiten Mal Übergeben; nach einem Mal und wenn es nicht zu heftig war, fühlt man sich noch gesundheitlich gut) v.a. ein furchtbar schlechtes Gewissen habe, es wieder getan zu haben, worauf gleich ein zweites Mal folgt. Der Magen ist danach leer, man hat wieder Hunger, fängt an und der Kreislauf geht seinen Weg.”
    Oh mein Gott, besser hätte ich es nicht beschreiben können. Es ist so krass wie exakt es auf meine ‘Symptome’ passt. Vor allem, wenn man sich ja dann übergeben hat, dann fühlt man sich so elend, dass man schwören kann es an diesem Tag nicht mehr zu tun (man schwört sich ja sowieso jedesmal es NIE WIEDER zu tun). Und dann, etwas später, merkt man, dass der Magen leer ist, man hat wieder Hunger, nimmt einen Bissen von irgendwas, um das Loch im Magen zu füllen und noch einen und schon sitzt man wieder in der nächsten Fressattacke. Echt schlimm:(.