5-6.Woche – Rückfall und Heisshungerattacke

Dieses Thema im Forum 'Bulimie Blog' wurde von Michi gestartet, 1 Juni 2011.

  1. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    Bin etwas im Verzug, aber gerade so eingespannt, dass ich leider letzte Woche nicht zum Schreiben kam. Aber ich werde jetzt mal alles Wesentliche nachholen und dir mitteilen.
    • Mit dem Essen gibt es noch einige Probleme. Ich esse immer einfach zu viel Obst und bin so voll, dass es stets riskant ist und haarscharf daran, dass ich es nicht aushalte und noch etwas Süßes esse bzw. was noch rein passt und mich übergebe. Ich denke momentan tagsüber nur wenig daran, weil ich beruflich sehr eingespannt bin. Riskant ist es dann immer nach dem Arbeiten und Essen daheim.
    • Einen Fortschritt, den ich gemacht habe, ist der, dass ich ein kleines Twix gegessen habe und es behalten habe. Ich habe es komplett gegessen, was total der Hammer ist. Ich hatte, da es während dem Arbeiten war, gar keine Zeit länger darüber nachzudenken. Aber dass ich es überhaupt gegessen habe, ohne danach mega schlechte Laune zu haben, ist für mich ein enormer Fortschritt. Echt super!!!! Fühlt sich gut an.
    • Dennoch ist es in dieser Zeit (seit dem letzten Mal) einmal passiert. Ich war einfach überfüllt von Mittagessen (nur Gemüse, sehr leicht) und Obst und Kaffee. Ich aß anschließend mega viel Süßes, Chips usw. bis ich so voll war, dass nicht mehr hinein ging und ich aufs Klo bin, um mich zu übergeben. Ich war danach total niedergeschlagen, mein Herz raste, ich zitterte und fühlte mich elend und schlecht. Ich machte mir Vorwürfe und konnte mich auch nicht mehr konzentrieren. Es ist so eine Zeitverschwendung und der Tag ist dann meistens gelaufen, weswegen es oft noch mehrmals am selben Tag passiert. Das war diesmal nicht der Fall, aber es ist oft so. Auf jeden Fall kann ich mich vorher auf nichts mehr konzentrieren, wenn ich schon mit dem Gedanken spiele, das ich es mache und kann mich danach auch nicht mehr konzentrieren. Es ist so oder so furchtbar und ein Teufelskreis. Ich hasse es!
    • Ansonsten habe ich mich die Woche nicht gut gefühlt. Ich habe sehr unruhig geschlafen und hatte Schweißausbrüche. Manchmal glaube ich, dass es auch der Fall ist, wenn es länger nicht war und mein Körper sich einfach danach sehnt und es braucht. Es ist wie ein Druck, der sich täglich aufstaut und stärker wird bis ich mich dann endlich mal wieder übergebe. Vielleicht braucht mein Körper dann auch den Zuckerschock, ich weiß es nicht, aber auf jeden Fall denke ich, dass ich nicht nur psychisch, sondern auch körperlich abhängig bin. Zwar nicht mehr so stark, aber immer noch genug. Ich meine, ich weiß, dass es dauert bis sich der Körper wieder umstellt. Für ihn beginnt genauso ein neues Leben wie für mich. Seine tägliche Gewohnheit wird im genommen und er muss sich auf ein anderen Alltag einstellen, der nicht mehr nur aus Klogang und Essen besteht.
    • Tja, ich hatte die Woche ziemlich viele private Probleme. Das ist natürlich nicht für den “Ausrutscher”(kann man leider noch nicht sagen, da es noch zu oft ist) verantwortlich. Es war früher so, aber da bin ich schon stabiler und gefühlsmäßig gefestigter, dass ich es dann nicht mache, um meine Probleme zu kompensieren und Dinge, mit denen ich nicht klar komme, versuche damit zu regeln. Aber es ist schwerer für mich, wenn ich nicht den privaten Rückhalt habe und mich mit meinem Freund und Freunden unterhalten kann. Sobald die Beziehung angespannt ist und die Harmonie getrübt ist, fällt eine Diskussion über die Krankheit aber weg, da ein Gespräch über mich und meine Krankheit auf einer unheimlichen Vertrauensnbasis basiert und nur dann funktioniert. Wenn ich mit Personen im Streit bin oder ich mich nicht sehr gut verstehe oder ein gewisses Missvertrauen herrscht, kann ich über die Krankheit nicht mehr reden. Es ist ein so heikles, peinliches, kränkendes, trauriges, nervenaufreibendes, anstrengendes Thema, zu dem soviel Ehrlichkeit und Offenheit gehört, das man nur in einer funktionierenden Beziehung egal zu wem debattieren kann. Für einen Kranken ist es ein Thema höchster Überwindung und Angst, was stets kompliziert ist.
    Es ist so ein furchtbar langer Weg und ich weiß nicht (ich glaube es geht auch nicht), ob ich jemals wieder kerngesund sein werde. Es ist so einfach, es ist so eine einfache Option. Und man selbst ist nie mit sich und seinem Körper zufrieden.