48. Woche - doch kein Monat

Dieses Thema im Forum 'Bulimie Blog' wurde von Michi gestartet, 3 Juli 2011.

  1. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    Naja, zur Enttäuschung: Das war dann wohl doch kein Monat, sondern es war am letzten Tag, der den Monat voll gemacht hätte. Tja, wohl mal wieder versaut.

    Aber gut, mal zu dem Ereignis. Ich brauchte es, ich brauchte es einfach. Ich wollte einfach mal wieder alles in mich hineinstopfen und zwar richtig viel, ich merkte einfach, dass mein Körper das Ereignis, den ganzen Ablauf das alles einfach vermisst und unbedingt mal wieder machen mag. Und da ich mich ja immer noch viel zu dick fühle, die Waage immer wieder ein bisschen mehr und nicht weniger anzeigt, ich packe es einfach nicht mehr abzunehmen, muss kucken, dass ich es aber hinbekomme, trifft natürlich viel aufeinander, weswegen ich meiner inneren Stimme nachgab. Es war total blöd und ich aß viel, was ich gar nicht mehr lecker fand, aber einfach nur um es zu essen, total bescheuert. Und ihr werdet es nicht glauben, aber ich war nach dem Anfall so fertig, ich war total platt und ich merkte es drei tage später noch, dass mein Hals weh tat und hatte Bauchschmerzen, weswegen ich schon wieder Angst habe. Aber ich habe gemerkt, dass ein Fressanfall total auslaugt und ich es halt nicht mehr gewöhnt bin, weswegen ich mal merke, wie schlimm es für den Körper ist. Nur wenn man es täglich und öfters macht, fällt es einem nicht auf. Das ist ja wie mit Alkohol trinken. Nichtsüchtige sind nach dem Trinken total platt und ausgelaugt und Süchtige merken es nicht und brauchen gleich am nächsten Tag wieder Alkohol. Wahrscheinlich übertönt dann die Sucht die ganzen üblen Begleiterscheinungen, die Schmerzen, das energie- und kraftlose Gefühl, weil die Sucht ja weiter befriedigt werden will. Ich habe das noch nie vorher gemerkt, dass ich so fertig war, aber es war auch noch nie so lange so normal und wenn sich der Körper wieder umstellt, merkt man eben erst, was man die ganze Zeit Krankes macht und das es durchaus Folgen hat, die beim ständigen Ausleben der Sucht nicht mehr wahrgenommen werden.

    Ich bin enttäuscht, klar. Mein Freund und ich wollten einen Sekt trinken, aber an dem Tag, an dem es einen Monat nicht gewesen wäre, dachte er gar nicht daran, also ging ich unbewusst dem Gespräch aus dem Weg, war aber natürlich auch enttäuscht und dachte mit - so als Bestätigung - siehst du es ist egal, dass es mal war. Ändert ja nichts und keiner weiß was. Gut ich, aber durch den Fressanfall bekommt man wieder so ein kleines Stück Gleichgültigkeit und irgendwie ist es einem dann wieder egal.
    Der Fressanfall gab mir auf jeden Fall nichts. Ich meine ich esse ja momentan auch wieder vermehrt etwas Leckeres, nur nicht in dem Maße, aber es zu fressen mit einer enormen Schnelligkeit, über dem Klo zu hängen und sich danach elend zu fühlen gab mir echt nichts und es war auf keinen Fall eine Befriedigung. Es war scheiße und mein Leben wurde dadurch nur blöder, kein bisschen besser.
    Schade, dass ich es nicht packte. Aber gut, ein Rekord ist es trotzdem: In einem Monat nur einmal. Immerhin.
  2. Jess

    Jess Neu im Forum

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    hi michi. fast ein monat ist total super. ich hoffe, dass ich das auch bald schaffen kann.
    und seh den einen Essanfall nicht als Versagen, man kann ja nicht immer perfekt sein. Du hast es geschafft die Häufigkeit der Fressattaken auf einmal im Monat runterzukriegen. Und wenn es das nächste mal ein ganzer monat ist, den du ohne fressattaken aushälst ist das doch ein super fortschritt. Du darfst dich nicht zu deinem eigenen Feind machen und dich so über den einen kleinen Ausrutscher ärgern. Jeder Tag ist ein Kampf und jeden Tag den du ohne Fressattake überstehst ist ein kleiner Sieg. Und du hast viel mehr Siege als Niederlagen gesammelt. :) Ich bin stolz auf das was du geschafft hast. Du bist ein Vorbild für mich! :)
  3. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    Danke, Jess. Was ist eigentlich dein längste Erfolg? Also mit normalem Essen, weil Fasten wie Fressattacken sind ja beides Elemente deiner Krankheit. Ist finde ich ziemlich schlimm für dich aufzuhören, weil ich kann sagen, wenn ich mich nicht übergeben habe, dass es nicht war, aber essen tu ich ja machnmal trotzdem zu viel oder zu wenig. Wenn ich mal wenig esse, würde ich den Tag trotzdem als plus zählen, weil ich mich ja nicht übergeben habe. Du musst ja gleichzeitig auf zwei Dinge achten, viel verstrickter. Wobei ich bei mir wohl auch nie sagen kann, dass es ein Erfolg ist, wenn ich wenig aß, aber ich achte eigentlich nur auf das, wann übergebe ich mich. Ob das falsch ist, es so zu zählen, weiß ich eigentlich gar nicht.
  4. Jess

    Jess Neu im Forum

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    mein längster erfolg ist 2 Tage...aber ich hab meine krankheit ja auch erst seit kurzem akzeptiert mit dem willen mich zu besser. ich habe akzeptiert, dass ich wahrscheinlich im laufe meiner genesung auch zunehmen werde. Aber ich habe die große hoffnung, dass wenn ich mein essverhalten normalisiert habe, dass sich mein gewicht auch normalisiert. Und meine Therapeutin meint, das würde auch so passieren, jeder Mensch hat ein Gewicht, das der Körper vorgibt und was er auch ohne diäten halten kann. Ich bin gespannt was mein Gewicht sein wird. Vielleicht wieder so wie vor meiner Krankheit, das würde ich mir natürlich wünschen, aber ich versuche zu akzeptieren, dass ich auch mit ein paar kilo mehr auf den hüften noch immer der selber tolle mensch bin, der ich früher war, als ich dünn war.
    Bei dir ist die Thematik glaub ich anders als bei mir, ich würde sagen, dass es auf jeden fall ein erfolg ist, wenn du das essen bei dir behällst. Und du scheinst ja wenigsten immer ein bisschen zu essen, also ist das doch sehr gut. Bei mir sind das ja richtig anorektische phasen die ich zwischendurch habe.
    Also mach weiter so, du machst das toll! Ein Schritt nach dem anderen. :)
  5. Jess

    Jess Neu im Forum

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    hi Gina,
    danke für den Link. Ich finds immer interessant solche sachen zu gucken. Nur find ichs schade, dass sie nicht sagt, wie sie es geschafft hat aus der Essstörung heraus zu kommen. Aber es macht Hoffnung.
    Ich hab auch schon mal gesucht, ob es die Doku von der Petra irgendwo online zu gucken gibt, hab nur leider noch nichts gefunden.
  6. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    Hi Gina, mir geht es wie Jess. Ich finde es immer interessant etwas darüber zu schauen und werde es mir gleich anschaun. Gina, wie läuft es bei dir gerade so? Und Jess: Du wärst wahrscheinlich ohne ES sogar ein besserer und tollerer Mensch, der sich nicht mehr so auf sich konzentriert. Und hierbei ist das Gewicht egal. Überleg doch mal, was anders wäre? Würden die Menschen sich nicht mehr gerne mit dir treffen? Würden Sie dich weniger mögen, wären sie komisch und würden sie denken, dass du dick bist. Wahrscheinlich nicht, meistens fällt es den "Normalen" gar nicht so auf. Ich kenn das, weil meinem Freund und auch anderen fallen ein paar Kilos gar nicht auf. man selbst merkt natürlich jedes Gramm und jedes Stück, jeden Bissen Kuchen usw., aber in der Krankheit steckt viel Einbildung drin und keiner sieht und so wie wir uns sehen und die Welt wäre ohne ES nicht schlimmer, wir hätten nicht weniger Spaß und Freude. Sonst könnten normale Menschen ja das alles nicht haben und haben sie ein schlimmeres Leben? Nein. Nur mehr Genuss und wahrscheinlich weniger quälende Gedanken und kein stetig schlechtes Gewissen und wären anders von der Art. Ich denke, meine Art wendet sich extrem zum Positiven und deswegen denke ich, dass wir alle nochmal bessere Freunde, lebensfroher Menschen, aufgeschlossener, glücklicher und offener wären, und v.a. immer noch hübsch und bestimmt nie zu dick. Keiner von uns ist wahrscheinlich übergewichtig und wird es auch nie sein. Zumindest nicht in dem Maß, dass es krass gesundheitgefährdend ist.
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  7. Jess

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    Danke Michi, du hast Recht, nur fällt es natürlich schwer so zu denken. Aber dazu hab ich ne kleine Anekdote, ich hab mich heute mit alten Freundinnen aus der Schule getroffen, die ich seit nem Jahr nicht mehr gesehn habe und als ich denen erzählt hab, dass ich innerhalb des letzten Jahres 5 Kilo zugenommen hab, haben die total gestaunt und meinten, dass man das gar nicht sieht. Und mein Freund meint auch, dass er das überhaupt nicht mitkriegt, wenn ich 2 kilo zugenommen hab.
  8. Jess

    Jess Neu im Forum

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  9. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    krasse Filme und Storys
  10. HannyBee

    HannyBee War schon öfters hier

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    Ich find es krass, dass ihr genauso an den Zahlen hängt wie ich damals :confused: Ein Ziel ist gut, aber schaut lieber zurück, welcher Weg hinter euch liegt. Nicht den weit entfernten Berggipfel anglotzen. Jeder zurückgelegte Tag ist ein Erfolg. Dann kommt vielleicht ein Tag, der ein Misserfolg ist. Und am nächsten ist es wieder Erfolg, nicht: Ein Tag hat den Monat zerstört. Mensch, Michi! :*

    Meine Erfahrung: Schmeißt die Waage weg. Schmeißt die Kalorientabellen weg. Habt keine Angst, dass euer ungestillter Hunger dazu führt, dass ihr die ganze Welt auffresst. :)

    Lernt, darauf zu hören, was Hunger ist, was Einsamkeit ist, was Wut ist, über eine Kränkung. Ich empfehle Geneen Roths Buch "Essen als Ersatz".
    Zitat: (S. 27) "Es gibt nicht genug Nahrungsmittel auf dieser Welt, um die Einsamkeit dieser Jahre zu lindern, nicht genug, die Leere, die durch diesen Verlust entstanden ist, zu füllen und die daraus folgenden verrückten Gefühle. Wir können das Rad nicht zurückdrehen. Wir können nicht für all die Zeiten essen, in denen wir nicht gegessen haben. Wir müssen uns nicht länger selber berauben. Fangen wir heute an." Und vielleicht fangt ihr morgen wieder an. Und übermorgen. Das ist kein Versagen. Nur, wer am Boden liegen bleibt, hat versagt.

    Was wird passieren?
    Ich mach euch nichts vor: Ihr werdet Angst haben, dass ihr aus allen Kleider quillt, dass ihr fett werdet. Und in der ersten Zeit werdet ihr es auch so sehen. Aber der Körper braucht nicht allzulange, bis er sich einpendelt. Er sagt euch dann, wann ihr Hunger habt und sogar, worauf.

    Ich hab das so gemacht, dass ich mal drüber nachgedacht hab, was ich alles nie bekommen konnte (meine Familie war früher arm, sodass wir wochenlang Kartoffeln vom Blech und Nudeln mit Margarine und Salz gefuttert haben).
    Alles, was meine damals beste Freundin immer hatte, habe ich gekauft und probiert. Und es schmeckte einfach entsetzlich!!! :D igitt. Stickstoffpudding. :D igitt, Knäckebrot mit Schokolade. :D Dann habe ich ungefähr eine halbe Stunde lang gelacht, bis mir die Tränen liefen, über das kleine, enttäuschte Kind in mir, das habenhabenhaben wollte und es nun bekam und erkannte, dass das alles nur ein Traum, eine alte Sehnsucht gewesen war. Und dann hab ich mir ein Käsebrot mit Tomaten gemacht :D
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  11. HannyBee

    HannyBee War schon öfters hier

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    Ihr Süßen,
    macht euch doch nichts vor. Ihr seid jetzt schon die besten und tollsten Menschen. Die ES behindert euch in eurer Entfaltung, aber sie macht euch nicht zu Psychomonstern. Glaubt das nicht, auch wenn ihr das momentan so seht. Ich finde, man sollte sich auf sich konzentrieren, mit aller Kraft. Auf sich und darauf, wie es einem selbst am besten geht. Und wenn man dann voller Kraft ist, voller Lust und Power, dann kann man sich auch um andere kümmern. Aber einer, der halbtot durchs Leben schlappt und immer noch glaubt, er sollte noch mehr zurückstecken, noch mehr geben, weil er diese Krankheit hat, der konzentriert sich nicht auf sich selbst. Der ist mehr bei anderen.