31. Woche – Wiegen

Dieses Thema im Forum 'Bulimie Blog' wurde von Michi gestartet, 5 Juni 2011.

  1. gina

    gina Guest

    Hallo Michi,
    du hast Recht, solange ich mal einen Tag schaffe und den nächsten wieder nicht, kann man noch nicht von Rückfällen sprechen. Ich stecke noch mitten drin, ich sehe es selber:(.
    Abends kann ich doch kein Obst essen, da sich mein Magen dann so dermaßen aufbläht, dass ich mit Sicherheit alles wieder loswerden möchte. Muss mich erst wieder langsam an Obst gewöhnen. Es muss also etwas sein, wo ich mir sicher bin, dass es meinem Darm keine Probleme bereitet. Dazu gehören eben Fleisch, Käse, Chips, usw. Natürlich sollte ich es dann komplett lassen und einfach gar nichts mehr essen. Ach…:(
    Soll ich ehrlich sein? Gestern habe ich es auch nicht geschafft. Wollte das eigentlich verschweigen, aber was bringt es? Peinlich ist es mir aber schon sehr sehr.
    Heute Nachmittag gab es bei meinen Eltern etwas Grillerei, da habe ich nur Fleisch gegessen und hab aufgepasst, dass es nicht zuviel wird, damit ich nicht wieder so schnell wie möglich versuchen nach Hause zu kommen. Jetzt ist es schon ein paar Stunden her und ich habe auch gar nicht vor es wieder loszuwerden, da es eh schon so gut wie verdaut ist. Bin immernoch gesättigt und hoffe, dass ich mich heute weiterhin im Griff habe. Ich werd es immer wieder versuchen, jeden Tag aufs neue.
    Recht hast du auch damit, dass ich gestern natürlich irgendwann zwischendurch locker Zeit zum essen gefunden hätte, aber ich doch froh war, dass ich den ganzen Tag über irgendwie abgelenkt war, um nicht daran zu denken. Obst hätte ich nachmittags allerdings dann doch gerne zu mir genommen, um das Loch im Magen zu füllen (weil ich ja wusste, was abends sonst passieren würde), aber das hatte ich zu Hause liegen gelassen und abends kann ich momentan so etwas noch nicht essen. Also gabs abends ein Sandwich und eigentlich war ich danach erstmal satt bzw es hätte gereicht. Ich kann inzwischen schon selber gar nicht mehr erkennen wann ich satt bin und wann nicht. Mein Magen ist wohl schon so riesig, dass ich das Gefühl ‘ich bin satt, es geht nix mehr rein’ nur noch kenne, wenn der Magen bis zum platzen voll ist. Nach einer normalen Menge an Essen habe ich zwar keinen Hunger mehr, aber dennoch könnte ich noch weitermachen, weils so gut schmeckt. Da muss ich mir eben selber auf die Finger klopfen und das zweite Sandwich war ein Fehler. Du hast es erkannt. Möglicherweise siehst du es einfach, weil du es inzwischen mehr von aussen betrachten kannst.
    Ich sehe einen Tag kotz-frei auch schon als Erfolg, wenn es dann mal zwei, drei Tage hintereinander wären, wäre das grandios. Erst eine komplette Woche ohne könnte ich dann als Fortschritt betrachten. Ich muss halt merken, dass es auch ohne geht und sogar noch viel schöner ist und stressfreier und ich mehr Zeit für andere Dinge habe, die ich unbedingt anpacken sollte.
    Da ist aber so eine Schwelle, über die ich erst drüber muss. Ein paar Anläufe habe ich ja schon genommen, irgendwann wird es klappen.
    Naja bei diesen ‘geplanten’ Fressanfällen habe ich immer drauf geachtet, dass ich möglichst günstig kaufe (bspw. ne Tüte Pommes 65 cent, ne packung spaghetti 60 cent). Das reichte ja meist schon. Trotzdem merke ich, dass da trotzdem mehr zusammen gekommen ist so auf die Woche gerechnet. Allein schon, dass ich keinen Scheiß mehr kaufe, ist schonmal gut. Gesund einkaufen und dann auch noch Sachen die man auch wirklich essen und behalten möchte, macht auch irgendwie mehr Spaß.
    Und ja, so weit ging es bei mir schon, dass ich geplant einkaufte, obwohl ich genau wusste, wo das Essen am Ende landen würde und ich schäme mich auch sehr dafür. Früher gab es immerhin das noch nicht. Wo hat mich dieser Mist nur hingeführt??
    Allerdings habe ich im Forum ähnliche Geschichten gelesen, bin also nicht die einzige Bekloppte. Erschreckend und beruhigend zugleich.
    Es ist sehr erfreulich von dir zu hören, dass du meinst du kommst wieder so langsam dahin wo du früher warst. Du siehst es mit dem Essen wieder etwas lockerer. Und es ist ja auch so wie du sagst. Wenn du an ein oder zwei Tagen mal etwas mehr gegessen hast, dann isst du halt am nächsten Tag etwas weniger, dann gleicht sich das wieder aus. Ich glaube auch nicht, dass ich sehr zunehmen würde, wenn ich normal essen würde (also normal für meine derzeitigen Verhältnisse wäre eben mehrmals am Tag kleine Portionen, dafür aber alles mögliche). Durch die Bulimie bin ich wie gesagt nie dünner geworden, mein Gewicht bzw Konfektionsgröße blieb immer gleich, die ganzen Jahre. Da dachte ich auch schon oft, wie kann das sein, ich kotz doch alles wieder aus ich müsste doch total dünne Beine haben, schmale Ärmchen, es dürfte ja nichts mehr an mir dran sein. Aber es ist wie es ist, der Körper schnappt sich während der Attacke alles was er kriegen kann solange das Essen im magen ist und es bleibt ja doch noch etwas zurück, das dann komplett verwertet und angesetzt wird. Also kann ich mir das alles doch auch sparen und normal essen oder? Ich würde nicht zunehmen. Aber ausschließlich darum geht es schon lange nicht mehr, sondern vielmehr um dieses Glücksgefühl beim Essen, den Spannungsabbau, dieses Lücken füllen, wenn man sonst nichts hat, an dem man festhalten kann. Und das macht es eben so schwer, es zu lassen. Ich will aber nicht aufgeben. Ich sehe bei dir, dass es geht und bei einigen anderen auch.
    Hab noch einen schönen Samstagabend!
    (bin immernoch pappsatt:))
    Viele Grüße,
    Gina
  2. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    HI Gina, sorry, aber mein Internet ging die letzten Tage nicht, ich lasse einen Techniker kommen. Es geht nur sporadisch, weswegen ich aufpassen muss, dass die Verbindung nicht gleich wieder weg ist … Voll doof, passt mir gerade gar nicht.
    Verheimlichen musst du und sollst du nichts. Bringt ja nichts. Es geht um dich und du willst es doch lassen. Also schreibe darüber und sei ehrlich, v.a. zu dir. Ehrlichkeit ist eines der wichtigsten Grundvoraussetzungen, um dem ganzen Übel ein Ende zu machen. Du grillst ja ständig [​IMG] Saucool und v.a. total lecker!!! Aber das Wetter wird ja auch immer besser! Es ist ein täglicher Kampf, der erstmal sehr lange dauern wird. Man braucht, denke ich, Jahre bis man wieder gesund ist. Der Weg inkludiert viele Rückschläge und Tränen, Zusammenbrüche, Ängste und insbesondere Wut. Das kenne ich: Ich hatte ewig kein Hungergefühl mehr, ich merkte kein Sättigungsgefühl mehr, ich wusste nicht, wann ich satt war, eigentlich nie und auch nicht mehr, wie sich richtiger Hunger anfüllt. Richtigen Hunger habe ich zum Glück wieder und es ist toll, dass auch etwas leckeres zu essen. Dein ganzer Haushalt ist durcheinander und spielt verrückt. Du empfindest nicht mehr die Zustände, wie sie ein gesunder Mensch fühlt. Ich konnte und könnte auch teilweise ewig weiteressen, da mein Magen nie stopp sagt. Bis es zu viel wird und ich mich übergebe, aber nicht aus Vollegefühl, das kommt erst nachdem ich zugeschlagen habe und weiß ich werde mich übergeben, sondern aus schlechtem Gewissen, das es zu viel war und ich schon längst hätte satt sein müssen. Ich bin noch lange kein Betrachter von außen, ob ich der jemals sein werde ist ein Wunsch, der evtl. in Erfüllung geht, aber ich weiß es nicht. Ich will es nur, ich will es einfach und setze alles daran. Und: Ein Tag ohne Übergeben ist immer ein Fortschritt, der erstmal auch so weitergehen wird. Aber jeder Tag tut deiner Gesundheit, deinem Magen und allem drum herum gut. Du kannst dich immer mega stolz fühlen, wenn du es gepackt hast. Jede Nacht darfst du dir auf die Schulter klopfen, wenn du im Bett liegst und es gepackt hast, weil es ein sehr sehr harter Kampf ist, zu dem sehr viel Mut, Anstand, Beherrschung, Durchhaltevermögen, Ehrgeiz, ein starker Willen und dein Verstand dazugehört. Wahrscheinlich würdest du etwas zunehmen oder abnehmen, irgendetwas würde denke ich passieren, da dein Körper ja wieder irgendwann anfängt zu arbeiten und dein Organe anfangen zu funktioniere. Momentan geht bei dir alles den Bach runter und nichts arbeitet mehr, wie bei einem normalen Menschen. Wie du schon sagtest: Dein Körper krallt sich alles, verdaut das, was er kriegen kann und dann bekommt er wieder ewig lange nichts, wird mit Magensäure überspült und geht kaputt. Es ist furchtbar [​IMG] Und: Ein Glücksgefühl gibt es auch, wenn man gutes Essen behält und v.a. es ist von Dauer. Man merkt wieder richtig, wie die Leere in einem gefüllt wird und es fühlt sich gut an! Richtig gut! Ich bin kein vorbildhaftes Beispiel, aber ich hoffe ich werde mal eines sein. Ich will es, aber ich weiß es werden noch sehr viele Rückschläge kommen und habe Angst, was mich erwartet. Ich werde noch sehr stark von den kranken Gedanken geleitet und weiß, dass ich nicht immer stark sein kann … Ich habe einfach Angst vor mir selbst und dem, was ich mir noch antun werde …
    Alles Liebe
  3. gina

    gina Guest

    Liebe Michi, du musst dich doch nicht entschuldigen, wenn du mal nicht schreibst. Natürlich schau ich täglich auf deinen Blog, ob du einen neuen Beitrag geschrieben hast oder auf mein comment. Ich hab nur gehofft, dass du nicht wieder einen Rückfall hattest, so ein bisschen besorgt war ich halt nur.
    Freue mich aber umso mehr von dir zu hören! [​IMG]
    Also ich werde nicht jeden Tag der letzten Woche beschreiben. Die Bilanz von letzter Woche sieht so aus: Von 7 Tagen habe ich 2 Tage nicht gekotzt. Die restlichen Tage habe ich kläglich versagt, auch eben Fr, Sa und So. Die letzte Woche kann man also in die Tonne kloppen.
    Gestern, Montag, neue Woche, neues Glück und ich habe durchgehalten.
    Die Gedanken drehen sich den ganzen Tag nur um dieses Thema, wenn ich gerade mal nicht abgelenkt bin. Ich überlege aber vorher immer ganz genau, was ich esse, esse bewusst, kaue beuwsst, aus Angst, dass die Dinge wieder ihren Lauf nehmen. Natürlich esse ich nicht normal. Etwas Obst(nicht zuviel) nach dem Aufstehen, damit der Stoffwechsel in Gang kommt, denn der ist bei mir sehr träge geworden. Und abends nun auch keine normale Mahlzeit. Habe mir aber Gemüse und Reis eingekauft und möchte mir endlich mal etwas daraus kochen. Gestern habe ich mich aber nicht getraut und heute werde ich mich auch noch nicht trauen.
    Ich will auch endlich, dass das aufhört. Jetzt wo die Tage etwas länger werden und es draussen nicht mehr so eklig kalt, fällt einem das aber auch leichter so einen Tag durchzustehen. Zum Glück geht es auf den Sommer zu.
    Klar, wenn es draussen nach und nach wärmer wird, dann wird auch oft gegrillt. Einerseits super, ich grille so gerne, aber andererseits schwingen da wieder Ängste und negative Gedanken mit. Genießen möchte ich es schon, kann es aber irgendwie nicht. Naja du weißt ja wovon ich spreche.
    Unter der Woche esse ich ja sonst absolut kein Fleisch. In meiner magersüchtigen Phase war ich sogar mal ein jahr lang Vegetarier. Ich weiß aber nun gar nicht mehr so genau, ob ich das nur den Tieren zuliebe oder auch ein bisschen deshalb gemacht habe, um eine gute Ausrede zu haben dies und das nicht essen zu müssen, wenn es Weihnachten Gans gab oder im Sommer gegrillt wurde. Ich esse zwar wieder Fleisch, aber nur wenig, Wurst überhaupt nicht.
    Tag 2 ist also nicht vorbei und ich bin NOCH guter Dinge.
    Ganz liebe Grüße,
    Gina