26. – 28. Woche – ich mag und kann nicht mehr kämpfen

Dieses Thema im Forum 'Bulimie Blog' wurde von Michi gestartet, 5 Juni 2011.

  1. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    Ich weiß, ich habe schon lange nichts mehr geschrieben. Ich hab auch keine Lust mehr und bin nur noch schlecht gelaunt. Ich bin total antriebslos. Ich habe nur noch Stress mit allem, was das Leben so ausmacht und würde am liebsten nur noch meine Krankheit ausleben.
    Mit meinem Freund habe ich auch nur noch Streit. Ich hatte wieder so 2-3 Anfälle in der Woche und er meinte nur, nochmal und “wir trennen uns” sozusagen. Dass dieser Druck nichts bringt und mir irgendwann die Beziehung egal ist, und die Krankheit wohl eher mein Freund ist, es zu Lügen führt und die Beziehung seitdem verurteilt ist, ist klar. Er ist abweisend, distanziert und fies und dafür soll ich das lassen, was mir Halt gibt???? Wofür dann,wenn der Partner einem so gegenübertritt. Aber das verstehen Außenstehende nicht.
    Ich denke der Druck ist manchmal gut, ein hartes Gespräch auch, aber sobald die kranke Person kämpft, braucht sie Halt, Liebe und einen Partner, der da mit durch geht, aber nicht einen, der mir die Pistole auf die Brust legt und ein absoluter Arsch ist. Für einen kurzen Moment tut das gut, damit man aufwacht, aber dann geht es an den Entzug, wo man Ansprechpartner braucht und Menschen, die für einen da sind.
    Außenstehende müssen auch im Streit darüber stehen und einlenken, weil sie wissen, wozu es führt. Die Krankheit sollte immer im Vordergrund stehen, und alle Mitmenschen sollten versuchen ihren Zorn oder auch ihre Distanz sein zu lassen im Streit, da die kranke Person bzw. eben die Krankheit in der Person nur darauf wartet, dass sie weiter gelebt wird und ein Mensch innerlich stark sein muss, um ihr den Kampf anzusagen.
    Es war jetzt seit der wieder krasseren Zeit mit der Krankheit seit 1,5 Wochen nicht mehr und ich sehne mich nach nichts mehr als das. Also nicht direkt, aber ich weiß es würde mir helfen. Es würde meinen ganzen Hormonhaushalt wieder etwas ins Gleichgewicht bringen, mich runter bringen und ich wäre wieder umgänglicher. Auch gesundheitlich würde es mir besser gehen. Ich höre momentan immer meinen Herzschlag, wenn ich aufstehe, ich bin launisch und total bocklos, ich zittere manchmal ziemlich krass, habe Stress in der Arbeit und Streit mit sehr vielen Menschen. Es gibt nichts, was ich mehr brauche, als mein Essen und mein Übergeben. Ich habe gerade nichts, mit was ich das ganze Elend kompensieren kann, weswegen ich mich noch mieser fühle. Ich bin nur noch am Ausflippen, ich könnte jeden anschreien, bin total aggressiv und 5 Sekunden später kann ich mich nicht mehr beruhigen, sacke zusammen und mir fließen literweise die Tränen aus den Augen.
    Ich habe ein totales Gefühlschaos in mir aus lauter Wut, Hass, Angst, Trauer und Verletzlichkeit.
    Dennoch will ein Teil in mir, dass ich nie wieder über dem Klo hänge, aber ich weiß jetzt schon und habe Angst, dass alles Andere in mir stärker ist. Ich halte den innerlichen und äußerlichen Druck nicht aus, ich bin nur noch ein tickende Zeitbombe, die in vielerlei Hinsicht explodieren kann und täglich macht.
    Ich wiege mehr und hasse meinen Körper. Ich sehe gerade nichts mehr Positives in meinem Leben und denke mir ständig, wieso soll ich dann noch aufhören, mich selbst weiter kaputt zu machen. Es gibt sowieso nichts, was mir noch Spaß macht und worauf ich mich freue. Ich sehe keinen Grund mehr, der Krankheit den Kampf anzusagen, und außerdem bin ich total schwach.
    Ich kann nicht mehr, ich habe keine Energie mehr.
    Ich bin so fertig, dass ich auch nicht mehr kämpfen kann. D.h. ich kann und will nicht mehr das Einzige aufgeben, was mir gerade noch hilft, diese beschissene Zeit zu überstehen und noch zu lächeln.
    Ich bräuchte einfach mal eine Person, die für mich da ist und sich für mich interessiert und mir Aufmerksamkeit schenkt. Jeder ist nur noch mit sich beschäftigt und ich fühle mich total leer und unnötig.
    Und mein Freund sagt mir nur noch, ich hab auf deine Laune keinen Bock mehr. Ich will meine Ruhe. Wie soll ich da noch irgendeinen Halt haben?
  2. Elli

    Elli Guest

    Es ist jetzt ganz wichtig wieder dahin zurück zu finden wo du schon warst…. In die guten Zeiten, ohne Fressen und Kotzen. Ich weiß, das ist unglaublich schwer.. Weil du dich gerade wahrscheinlich nicht mal mehr erinnern kannst wie du es überhaupt geschafft hast so lange “clean” zu bleiben. Mir geht es nicht anders. Jedesmal wenn ich meine paar Tage oder Wochen schaffe und ich wieder einen Rückfall habe, frage ich mich was wieso und warum hat es davor funktioniert? Wieso ist es jetzt anders und wie kann ich wieder dahin zurück finden?
    Man sollte sich allerdings nicht unter zu viel Druck setzen. Es hat ja doch immer einen Grund warum man wieder zu essen beginnt. Irgendetwas bedrückt dich.. Du solltest dir Zeit nehmen intensiv darüber nachzudenken. Setze dich hin und widme die Zeit nur dir! Es ist wichtig sich mit seinem Ich auseinander zu setzen. Du musst wissen wer du bist und was du willst.
    Dann kann es dir auch wieder besser gehen. Erinnere dich an das was du magst, an die Menschen die du liebst. An die Menschen die dich lieben!
    Erinnere dich an schöne Erlebnisse…. Mach dir positive Gedanken. Du weißt, das ist vielmehr das Leben das du führen willst und auch kannst!
    Gib der Krankheit keine Chance. Du bist ein toller Mensch.. Es ist wichtig, dass du dir das merkst.
    Dein Freund weiß das genauso. Es ist bloß für Außenstehende absolut nicht nachvollziehbar. Er kann noch so sehr versuchen sich in dich hineinzufühlen. Nicht Betroffene können es nicht spüren.. All die Gefühle die damit verbunden sind. Sag ihm ehrlich was du denkst und fühlst. Wann du ihn brauchst und Wieso. Es ist nicht immer leicht mit der Krankheit umzugehen. Auch für Außenstehende nicht. Sie wollen helfen, haben aber immer wieder das Gefühl es hilft sowieso nicht… Auch das ist frustrierend. Versagen bleibt immer noch Versagen…
    Tu etwas das dir Spaß macht. Lass die Bulimie los.. Du brauchst sie nicht.
  3. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    Das Schlimme ist, dass immer wieder von vorne zu beginnen, so unheimlich anstrengend und – wie du sagst – frustrierend ist. Es gibt Zeiten, da ist einem alles wieder so egal, weil man weiß, man kommt da von nie wieder weg. Es ist einfach zu leicht und man denkt immer, ach wegen einem Mal werden die Folgeschäden nicht schlimmer. Tja, aber das denkt man eben jedes Mal … Leidest du auch unter Bulimie? Klingt so als ob du viel überstanden hast, aber manchmal einen Rückfall hast, aber doch eher stabil bist.
  4. Elli

    Elli Guest

    Ich kenne das nur zu gut… Dieses… Einmal noch.. Was soll sich noch groß verschlechtern? Danach ist Schluss! Diesmal wirklich… Und im Hinterkopf plant man vielleicht schon die nächste Fressattacke, obwohl man doch wirklich nicht mehr will. Es ist sehr frustrierend, ja. Man sollte sich immer im Bewusstsein halten, dass es eben nicht egal ist. Jeder Schritt dagegen ist auch ein Schritt vorwärts!
    Ich kann jetzt so schreiben, weil es mir im Moment gut geht. Ich überstehe Tage und sogar Wochen ohne mich anzuessen….aber immer mit der Angst, dass es wieder passieren kann.
    Ich versuche so gut es geht Ablenkung zu finden. Suche Gesellschaft und meide Situationen die mich zum Fressen verleiten können. Ich lese viel und gehe an die frische Luft. Das alles sind Dinge die mir sehr wichtig sind. Dinge die ich vernachlässige wenn ich mich der Bulimie hingebe. Und ich merke nach und nach, dass ich doch lieber sozial voll und ganz im Leben stehe, als mich zurückzuziehen. Das gibt mir im Kraft und Halt.
    Ich hatte auch schon andere Zeiten….und ich bin froh, dass ich im Moment sagen kann: die sind vorbei. Und hoffe wirklich, dass das auch so bleibt…. Ich habe so Angst, dass mich das mein ganzes Leben lang verfolgt….
    Bulimiekranke sollten viel mehr reden, nämlich miteinander!
  5. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    Ja du hast ziemlich Recht. Manchmal belügt man sich und weiß es schon bzw. hat Angst, dass es eh wieder ist, aber sagt sich, es wäre das letzte Mal. Manchmal bin ich aber auch fest davon überzeugt, dass es nicht mehr ist. Ich denke dann immer, es ist doch so einfach “normal” zu essen bzw. nicht einen Gedanken an das Übergeben zu verschwenden, aber es ist leider nicht so. Diese Krankheit füllt ziemlich stark meine Gedanken und von ihnen hängt der ganze Tag, meine ganze Laune ab. Ich glaube, dass die Angst einen sehr lange, wenn nicht ewig begleitet. Aber das zeigt eigentlich, dass ich nicht Herr über mich selbst bin, weil sonst bräuchte ich ja keine Angst haben; dann könnte ich ja mich am Übergeben hindern. Dann wüsste ich, ich bin stark und die Gedanken des Essens und Erbrechens kommen nie richtig an mich ran. Dass du Ablenkung suchst bzw. Dinge unternimmst, die dich davon ablenken ist denke ich der richtige Weg. Weil man muss wieder einen normalen Alltag führen, indem die Krankheit nicht vorkommt. Da sie aber meinen ganzen Tag ausfüllt, v.a. bzgl. des Denkens, kann ich damit ja nicht einfach aufhören, sondern muss diese Leere in mir, die ich spüre, wenn ich von der Krankheit versuche loszukommen, irgendwie füllen. Sonst komm ich wohl nie davon weg. Deswegen ist es wohl der beste Weg: Gesellschaft, Hobbies, Spaß, alles das, was einem zeigt, dass das Leben viel mehr zu bieten hat. Natürlich fühlen wir uns besser, wenn wir nicht über dem Klo hängen. Nur wenn man wieder voll drin ist, muss man erstmal wieder den richtigen Anschluss finden. Miteinander reden ist denke ich sehr wichtig. V.a. mit denen, die das gleiche durchmachen. Da fühle ich mich verstanden und mein Gegenüber weiß, was es für ein harter Weg inklusive Frustration, Angst, Hass, Trauer und Kampf ist. Ich meine ich weiß ja, wie es ist gesund zu sein. Und ich weiß, dass ich mir damals nie ausmalen hätte können, was bei Bulimikern abgeht. Es ist erschreckend und auch nicht für Gesunde bestimmt. Es langt, dass die Kranken es wissen, da es einfach unnormal ist.
  6. Justyna

    Justyna Guest

    Hallo, alles was du uber dich beschrieben hast, scheint als ob es ich beschrieben wurde . Ich habe Fressanfalle taglich, die langste Zeit seit 3 Monaten, die ich ohne Fressanfaelle ausgehalten habe, es sind 2 Tage. Bin hubsch, aber einsam sehr unglucklicch bin sehr verschlossen .Sehne mich nach der LIebe, die ich niemals erfahren habe. Ich hatte niemals einen Freund ,bin 24 Jahre alt, sehr hubsch, alle wundern sich warum ich so alleine bin. Ich will jemanden haben, aber nahc dem ersten Treffen ,der Mann will sich nicht mehr treffen.. Ich bin sehr schwach, fuhle mich sehr erschopft, kann nicht meinen Pflichten nachkommen .ich habe Angst vor meiner Zukunft