15.-16.Woche – schlechtes Gewissen

Dieses Thema im Forum 'Bulimie Blog' wurde von Michi gestartet, 1 Juni 2011.

  1. Michi

    Michi mybulimie.de Staff Member

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    Hallo liebe/r Leser/in, von den letzten beiden Wochen habe ich Positives und Negatives zu berichten. Ich fange, da es chronologisch gesehen korrekt ist, mit dem Negativen an:
    • Letzte Woche war wieder so ein berühmter Spieleabend, dem ein Essen mit Freunden vorausging. Das Essen war eines der typischen Ganzessen, d.h. spät abends viele, viele Kalorien: Klöse, Soße, Ganz, Rotkraut etc. Naja, ich habe wacker mitgegessen ohne mich zu Übergeben, aber du kannst dir vorstellen, wie es mir danach erging: Mein schlechtes Gewissen hat mich aufgefressen. Dennoch habe ich es überstanden. Nur als wir dann in geselliger Runde Spiele spielten, viel Wein tranken und kräftig Chips aßen, hielt ich es nicht aus. Ich dachte nur noch darüber nach, wie ich alles wieder aus mir herausbrechen konnte, obwohl natürlich der Großteil des Essen bereits verdaut war, was mir schlechte Laune machte. Also ergriff ich die Chance irgendwann aufs Klo zu gehen, sagte ich müsse noch telefonieren und gehe eine Rauchen (Der Rest war komplett Nichtraucher und zum Glück war es so kalt, dass niemand mit wollte), weswegen ich folglich etwas Zeit zur Verfügung hatte. Danach aß und trank ich weiter, nur fühlte mich nicht mehr so gut gelaunt, was aber vorher auch schon der Fall war. Es ist schlimm, dass Essen mir unheimlich schlechte Laune macht, obwohl alle anderen es genießen, ich hasse es.
      Damit fing dann wieder alles an: Da ich am nächsten Tag immer noch ein schlechtes Gewissen hatte und mich elend fühlte, übergab ich mich nach 5 Kuchenstücke erneut (Es hatten im Geschäft mehrere Geburtstag, weswegen es ein riesiges Kuchenbuffet gab.) An diesem Abend übergab ich mich daheim nochmal, da ich riesigen Hunger hatte, als ich spät heimkam, aber nichts in mir behalten wollte, da ich ja am Vortag schon bestimmt zugenommen hatte. Ich hatte aber ein enorm großes Leeregefühl, als ich heimkam, das ich noch etwas essen musste, was ich aber auch wieder herauskotzen musste. Naja, an diesem Tag ging es mir richtig dreckig und ich bekam zwei Tage später enormes Kopfweh, was drei Tage anhielt. Manchmal denke ich, dass es bereits Gehirnblutungen sind, weil keine Tablette dagegen hilft. Natürlich finde ich es erschreckend, falls es so ist, aber dennoch checke ich es, denke ich, nicht richtig, weil ich sonst endlich handeln müsste. Ich nehme die Lage nicht so ernst, was wohl ein Merkmal einer Kranken ist.
    • Bis heute habe ich mich gefangen, was eine Woche her ist. Dennoch hatte ich heute enorme Angst, weil es nicht mehr länger als eine Woche ist, dass ich mich nicht mehr übergebe. Außerdem habe ich seit heute bis Ende der Woche Urlaub. Ich habe gestern Abend furchtbar schlechte Laune bekommen und hatte Angst vor dem Tag, zugleich wollte ich aber essen und kotzen, ich freute mich darauf. Ich kämpfte innerlich so zwischen zwei Gefühlen, dass ich meiner Umwelt nur noch motzig und angepisst begegnete, was ich nicht wollte, aber mir zugleich egal war. Ich plante meine Fressattacke, stellte mir vor, was ich alles essen werde und kämpfte zugleich dagegen an und wollte mich an diesem Tag nicht übergeben und stellte mir die ganzen Folgen vor. Dennoch überwog die Vorstellung, dass es passieren wird. Ich wollte mit meinem Freund darüber reden, aber es kam nicht soweit. Einerseits, weil er erst spät abends Zeit hatte und sich mein Kampf bereits dahingegen entschieden hatte, dass ich es tun werde und andererseits, weil ich nicht die Beziehung damit belasten will. Außerdem nahm ich mir ja so evtl. die Möglichkeit es zu tun, weil mein Freund vielleicht krank macht und daheim bleibt oder andere Möglichkeiten ergreift, um es zu verhindern. Naja, es kam heute nicht soweit, aber ich denke nur, weil ich mit meinem Freund einen Tag lang wegfuhr. Ich redete mit ihm heute früh, wobei wir schon im Streit waren, brach in Tränen aus, aber versuchte ihm meine Lage zu verdeutlichen. Ich denke immer, solche Ausnahmen, dass man sich dann intensiv Dinge überlegt, die es verhindern, sind nicht sinnvoll. Trotzdem glaube ich langsam, dass man es beim Entzug machen muss. Weil natürlich sollte irgendwann der Mensch soweit sein, dass er sich selbst im Griff hat, aber bis es soweit ist, sollte man Situationen erzeugen, in denen man der Krankheit bewusst aus dem Weg geht und das Übergeben verhindert. Die Krankheit ist so tückisch und der Entzug so schwierig, v.a. auch weil ich launisch, ungenießbar, aggressiv und gemein werde, d.h. mich meinen Mitmenschen furchtbar gegenüber verhalte, was ich nicht will und was sie nie verstehen werden, dass man der Krankheit anfänglich auch mit allen möglichen Tricks entgegen treten sollte.
    • Es ist jetzt Abend und ich fühle mich gut, dass ich den Tag ohne Übergeben überstanden habe. Ich habe schon ein schlechtes Gewissen, da ich heute Essen war und auch etwas Kuchen und einen halben Mohrenkopf aß. Aber es arbeitet alles darauf hin und mein Körper bereitet sich irgendwie darauf vor, dass er es machen will und zeigt mir mit Herzklopfen, Heißhunger, Zittern, schlechter Laune, etc., dass er es braucht, weswegen ich große Angst habe. Es ist auch schon wieder so, dass ich es nicht so schlimm finde und es mal wieder sein könnte …
    • Ich habe v.a. Angst, da die Weihnachtszeit bereits beginnt mit vielen Plätzchen und Süßigkeiten, denen ich nicht widerstehen kann. Ich freue mich einerseits darauf, habe aber zugleich im Hinterkopf, wenn es zu viele sind, dass ich mich sowieso übergeben werde. Weil ich will nicht zunehmen und fühle mich momentan wieder so dick, keine Ahnung. Die Angst Zuzunehmen ist bei mir so unbeschreiblich groß, ich kann es nicht erklären. Wahrscheinlich würde ich gar nicht immer sofort zunehmen, aber in mir herrscht nach kalorienreichem Essen so ein schlimmes Gefühl von schlechtem Gewissen, Reue, Angst, das ich nicht aushalte.
    Ich habe keine Ahnung, wie lange ich es diesmal schaffe, aber bin schlechten Mutes, dass es noch lange dauern wird. Ich spüre es irgendwie, dass es bald sein wird bzw. sein muss. Das ist dieses Bauchgefühl, wenn man gewisse Dinge spürt bevor sie passieren. Ich weiß, ich bin da nicht machtlos, oder zumindest denke ich es, aber dennoch kann ich mich nicht wehren und mag es auch nicht immer. Das ist wohl auch der Charakter des Hobbysder Krankheit, das sich bemerkbar macht: “Genießen ohne Zuzunehmen.”
  2. gina

    gina Guest

    u dem Spieleabend muss ich auch etwas sagen. Bei mir war es zwar kein Spieleabend, aber ich war auf einer Hochzeit eingeladen. Natürlich gab es da ein 5-Gänge Menü. Schon davor die reinste Horrorvorstellung für mich. Ich fieberte eigentlich die ganze Zeit diesem Moment des Essens mit Angst entgegen anstatt die Hochzeit zu genießen. Unglücklicherweise wurde das Menü nur zum Teil tellerweise aufgeteilt serviert. Solche Dinge wie Kartoffelgratin (welches leider verdammt lecker war) oder Spätzle wurden in großen Schüsseln einfach auf den Tisch gestellt. Ich hatte dazu noch ein figurbetontes Kleid an. Ich hätte die Luft bis ins unendliche einziehen müssen, damit da nach dem Essen kein Bauch zu sehen gewesen wäre. Es war fürchterlich, aber das Essen so lecker.
    Und ständig diese gedanken im Kopf, ob ich nicht irgendeine Ausrede finden könnte, um kurz nach Hause fahren zu können, um das alles loszuwerden. Ich hätte auch auf das Klo im Hotel können, aber ich kann das nicht auf öffentlichen Toiletten oder da wo ich mich nicht sicher fühle. Ausserdem dauerte es bei mir inzwischen recht lange bis ich das Essen wieder draussen hatte. Muss wohl an dem überforderten Brechreiz liegen. Je mehr ich aß, mit jedem weiteren Gang des Menüs, quälten mich mehr Gedanken, wie ich den ganzen entkommen könnte. Man darf ja auch keinen Gang stehenlassen, ohne dass die anderen komisch gucken oder einen mit Fragen drangsalieren warum man denn nichts davon esse. Dann auch noch Nachtisch, obwohl man bereits am liebsten über dem Klo hängen würde. Die Laune ist mies. Dann gab es da auch noch dieses tolle Käsebuffet UND die Hochzeitstorte. Ich liebe Käse, die Torte sah total lecker aus. Habe von beidem nichts genommen.
    Man will eigentlich nur noch nach Hause. Es war eine echte Qual, das ganze Ereignis. Als ich dann erst gegen morgens nach Hause kam, war natürlich das Meiste eh schon verdaut. Trotzdem dachte ich, ich könnte das was drin ist noch rausbringen und fraß mich durch den Kühlschrank und ging dann kotzen. Auch wenn es nichts mehr brachte, es war irgendwie ein Stück Genugtuung.